USA - Trumps Pläne für Afghanistan bleiben vage Auf einer Militärbasis sagte der US-Präsident, ein Rückzug amerikanischer Truppen aus Afghanistan würde ein Vakuum für Extremisten schaffen. Er wolle deswegen aufstocken – wann und wie stark bleibt unklar. © Foto: Joshua Roberts/Reuters

Am Montagabend holte den US-Präsidenten die Realität seines eigenen Amtes ein. Jahrelang hatte Donald Trump den Krieg in Afghanistan als gravierenden Fehler bezeichnet und einen Abzug der amerikanischen Soldaten gefordert. "Wir bauen Straßen und Schulen für Menschen, die uns hassen", schrieb er schon 2012. "Zeit, nach Hause zu kommen."

Auf der Militärbasis Fort Myer in Virginia klang das nun ganz anders. Er teile zwar den Frust der Amerikaner wegen des langen Krieges ohne Sieg, sagte Trump. Es sei auch sein Instinkt gewesen, die Truppen abzuziehen. "Aber die Entscheidungen sind sehr anders, wenn man hinter dem Schreibtisch im Oval Office sitzt." 

Einen schnellen Abzug wird es unter Trump also nicht geben. Zu groß sei das Risiko eines Machtvakuums, das dem Terror das Feld überlasse, argumentiert nun auch dieser US-Präsident. Mit seiner Rede machte Trump den langwierigen Konflikt in dem Land zu seinem eigenen. "Ich bin ein Problemlöser", sagte der Präsident.

Welche Strategie genau Amerika unter Trump in Afghanistan verfolgen wird, blieb trotz der Ankündigung einer Truppenerhöhung aber offen. Das weitere Vorgehen soll – ganz in Trumps üblicher Dealmaker-Manier – an Bedingungen geknüpft werden, nicht an Zeitpläne. Wann und wie stark die US-Truppen aufgestockt oder irgendwann mal abgezogen werden, will Trump nicht sagen. Damit würde man dem Feind ja nur die Möglichkeit geben, sich auf die Pläne einzustellen, argumentierte Trump. Dasselbe dürfte auch für Trumps politische Feinde in den USA gelten.

Die afghanische Regierung ist geschwächt

Grundsätzlich bedeutet Trumps Plan eine große Kehrtwende im Vergleich zur Politik seines Amtsvorgängers. 2014 hatte Barack Obama noch angekündigt, die verbliebenen US-Soldaten bis 2016 aus Afghanistan abziehen zu wollen. Kurz darauf musste er das Vorhaben aufgeben. Inzwischen sind die Amerikaner bereits seit 16 Jahren im Land, 2.400 Soldaten wurden getötet.

Fortschritte hat es in dieser Zeit kaum gegeben. Die beiden Konfliktparteien vor Ort befinden sich in einem Patt: Die afghanische Regierung – unterstützt von der US-geführten Koalition – verliert Regionen an die Taliban, die ihrerseits Unterstützung von Nachbarstaaten wie Pakistan erhalten. Die Regierung in Kabul ist geschwächt durch Korruption und interne Kämpfe, die Zahl der toten Sicherheitskräfte und Zivilisten steigt. Trump ließ in seiner Ankündigung keinen Zweifel daran, wer seiner Meinung nach Schuld ist an der Bilanz: "Wir haben eine gefährliche Situation geerbt und ein schlechtes Blatt erhalten, aber wir können die Uhr nicht zurückdrehen."