Nach einer Woche der Drohungen gegen Nordkorea nimmt der US-Präsident nun Venezuela ins Visier. Er zieht ein militärisches Eingreifen in dem Land in Betracht. "Die Menschen leiden und sterben", sagte er. Die Lage in dem südamerikanischen Land sei sehr gefährlich. Es gebe mehrere Möglichkeiten, darunter auch "eine militärische Option", sagte Trump und verwies darauf, dass die USA Truppen auf der ganzen Welt stationiert haben, auch "an weit entfernten Orten".

Konkrete Pläne für einen Militäreinsatz gibt es aber offenbar nicht. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, es habe bezüglich Venezuela keine Befehle erhalten. Die Regierung in Caracas nannte Trumps Drohung einen "Akt der Verrücktheit".

In Venezuela streiten Regierung und Opposition um die Macht: Nach der umstrittenen Wahl einer neuen verfassungsgebenden Versammlung hatte die US-Regierung Ende Juli Sanktionen gegen Staatschef Nicolás Maduro verhängt und sein Vermögen in den USA eingefroren. Trump nannte Maduro einen Diktator und kritisierte das neue Gremium, das über dem Parlament steht, als rechtswidrig. Auch die Opposition erkennt die hauptsächlich mit Maduro-Anhängern besetzte Versammlung nicht an, ebenso wie mehrere Staaten der Region. Gegen mehr als zwei Dutzend venezolanischer Amtsträger haben die USA bereits Strafmaßnahmen erlassen.

Trump lehnt Telefonat ab

Maduro hatte am Freitag erfolglos ein Telefonat mit Donald Trump beantragt. "Präsident Trump wird gerne mit dem Führer Venezuelas sprechen, sobald die Demokratie in diesem Land wiederhergestellt ist", hieß es in einer Erklärung vom Weißen Haus. Die USA verlangten die Achtung der Verfassung, freie und faire Wahlen, die Freilassung politischer Gefangener und ein Ende der Repression gegen das Volk. Die USA sind der wichtigste Abnehmer von Erdöl, ohne die Exporte in die USA droht Venezuela die Staatspleite.

Seit Monaten gibt es Massenprotesten gegen Maduro. Beobachter befürchten weitere Unruhen in dem lateinamerikanischen Staat, da regierungsfeindliche Kräfte jüngst Waffen vom Militär erbeuteten. Seit Beginn der Proteste wurden bereits mehr als 120 Menschen getötet und Tausende verhaftet. Die Opposition wirft dem Präsidenten vor, mithilfe der umstrittenen Verfassungsversammlung das Parlament auszuhebeln und eine Diktatur zu errichten.

Die Lage in Venezuela hat bereits Folgen im Ausland: Peru wies aus Protest gegen die Regierung in Caracas am Freitag den venezolanischen Botschafter Diego Molero aus. Der Diplomat müsse das Land binnen fünf Tagen verlassen, teilte das Außenministerium in Lima mit. Hintergrund sei "der Bruch der demokratischen Ordnung" in Venezuela.

Die Regierung Venezuelas teilte daraufhin mit, der peruanische Staatspräsident Pedro Pablo Kuczynski sei ein "Feind" Venezuelas und der lateinamerikanischen Einheit. Kuczynski, ein ehemaliger Banker an der Wall Street, der lange in den USA lebte, wird in den venezolanischen Staatsmedien regelmäßig wegen seiner Nähe zu den USA verspottet. Die bisherigen Reaktionen der lateinamerikanischen Länder fielen gedämpfter aus als die Perus, da die Region die Souveränität Venezuelas nicht angreifen möchte.