Nordkorea will nicht verhandeln – weder mit seinem Nachbarn im Süden über eine Aussöhnung auf der koreanischen Halbinsel noch mit der internationalen Staatengemeinschaft über sein umstrittenes Atomprogramm. "Wir werden unser Nuklearprogramm zur Selbstverteidigung nicht zur Verhandlung stellen", hieß es in der Erklärung des nordkoreanischen Regimes, die über Staatsmedien verbreitet wurde. Man werde niemals auch nur einen Schritt zurückgehen bei der Stärkung der eigenen Nuklearmacht. "Wenn Feinde glauben, dass Nordkorea durch Sanktionen verunsichert werden kann, handelt es sich um nichts anderes als eine Wahnvorstellung."

New York - UN-Sicherheitsrat weitet Sanktionen gegen Nordkorea aus Das Gremium entschied am Samstag einstimmig, der Regierung in Pjöngjang wegen der durchgeführten Raketentests die Ausfuhr von Kohle, Eisen, Blei und Fisch zu verbieten. Dadurch sollen Nordkoreas Exporteinnahmen um ein Drittel reduziert werden. © Foto: Reuters

Am vergangenen Samstag hatte der UN-Sicherheitsrat einstimmig die bisher schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen das international isolierte Land verabschiedet. Die von den USA eingebrachte und mit China sowie Russland abgestimmte Resolution sieht unter anderem Ausfuhrverbote auf Kohle, Eisen, Blei und andere Rohstoffe vor. Damit werden die ohnehin schon mageren Exporterlöse Nordkoreas nach US-Angaben um eine Milliarde Dollar (850 Millionen Euro) und so mindestens um ein Drittel gekürzt.

Vorausgegangen war der zweite Test einer nordkoreanischen Interkontinentalrakete binnen eines Monats. Solche Tests hat der UN-Sicherheitsrat verboten. Die am 28. Juli abgefeuerte Rakete hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10.000 Kilometern. Sie hätte damit die Westküste des US-Festlands treffen können. Zudem führte Nordkorea seit 2006 fünf Atomwaffentests durch, davon zwei im vergangenen Jahr. Damit treibt Machthaber Kim Yong Un trotz bereits bestehender umfassender Sanktionen sein Raketen- und Atomwaffenprogramm seit Jahren voran.

"Die USA sind nicht sicher"

Die USA waren die treibende diplomatische Kraft hinter den neuen Sanktionen gegen Nordkorea – und machen sich damit zur Zielscheibe neuer Drohungen aus Pjöngjang. "Es gibt keinen größeren Fehler für die USA, als zu glauben, dass ihr Land auf der anderen Seite des Ozeans sicher ist", heißt es in der veröffentlichten Erklärung, in der das weitgehend abgeschottete Land "gerechte Gegenmaßnahmen" ankündigte, ohne diese zu konkretisieren. Stattdessen hieß es: "Wir sind bereit, die USA mit weit größeren Maßnahmen zur Rechenschaft zu ziehen für ihre Verbrechen gegen unser Volk und unser Land." Solange die Regierung in Washington dem Land feindlich gesinnt sei, werde es keine Verhandlungen geben.

Die Mitglieder des höchsten UN-Gremiums hoffen dennoch, das kommunistisch beherrschte Land mit den Sanktionen wieder zu Verhandlungen bewegen zu können. Im Anschluss an ein gemeinsames Telefonat riefen US-Präsident Donald Trump und sein südkoreanischer Kollege Moon Jae In dazu auf, den Druck auf Nordkorea weiter zu erhöhen. Das Regime sei "eine ernste und wachsende direkte Bedrohung" für die meisten Länder der Welt und müsse "auf den richtigen Pfad" geführt werden. "Das beste Signal, mit dem Nordkorea zeigen würde, dass es zu Gesprächen bereit ist, wäre ein Stopp der Raketenstarts", sagte US-Außenminister Rex Tillerson am Rande eines Treffens der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (Asean) in Manila. 

Nordkorea weist Südkorea-Angebot zurück

Nordkoreas letzter Verbündeter und wichtigster Handelspartner China rief alle Seiten zu Dialog und Mäßigung auf. Auch Russland forderte eine atomare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel. Alle Seiten müssten unverzüglich eine diplomatische Lösung des Streits suchen, heißt es in einem Statement von Außenminister Sergej Lawrow, der ebenfalls an der Asean-Konferenz in Manila teilnimmt. Er habe seinem nordkoreanischen Kollegen Ri Yong Ho zur Zurückhaltung in dem Konflikt aufgerufen.

Ri Yong zeigte sich unnachgiebig – auch im Hinblick auf ein Angebot seiner südkoreanischen Amtskollegin Kang Kyung Wha zu ausführlicheren Gesprächen. Ri habe Südkorea vorgeworfen, es an "Aufrichtigkeit" fehlen zu lassen. Im vergangenen Monat hatte Südkoreas neuer Präsident Moon Jae dem Norden Gespräche angeboten, um den Spannungen entlang der koreanisch-koreanischen Grenze entgegenzuwirken. Zugleich schlug er ein Treffen unter Vorsitz des Roten Kreuzes vor, um die Zusammenführung von Familien zu erleichtern.

Südkorea - Stadt der Bunker Nur 50 Kilometer trennen die Stadt Seoul von der Grenze zu Nordkorea. Mit Notfallübungen und Schutzbunkern sollen die Bewohner für einen Luftangriff gerüstet sein, doch nicht jeder hält das für sinnvoll. © Foto: Kim Hong-Ji/Reuters