Im Tschad werden repressive Gesetze und der Geheimdienst zunehmend genutzt, um kritische Journalisten, Aktivisten und Bürgerbewegungen zum Schweigen zu bringen. Zu diesem Schluss kommt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem Bericht. Die Situation habe sich in den letzten zwei Jahren deutlich verschlechtert, heißt es darin.

Insgesamt 65 Organisationen haben Amnesty demnach berichtet, dass sie zwischen 2014 und 2016 nie eine Erlaubnis für Demonstrationen bekommen haben. In anderen Fällen, in denen die Erlaubnis erteilt worden war, seien Sicherheitskräfte teilweise brutal gegen Demonstranten vorgegangen. Auch seien Aktivisten und Journalisten eingeschüchtert oder inhaftiert worden sein.   

Die Proteste gegen die Regierung gehen mit einer anhaltenden Wirtschaftskrise in der ölreichen Republik einher. 2014 war der Ölpreis gefallen, im August 2016 setzte die Regierung 16 Sparmaßnahmen durch. Unter anderem wurden Stipendien von über 17.000 Studierenden gestrichen und das Gehalt der Beamten halbiert. Tschad gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Im Human Development Index der UN belegte der Tschad im Jahr 2016 Platz 186 von 188 Ländern.

Transitland für Flüchtlinge

Internationale Aufmerksamkeit erfährt der Tschad vor allem wegen seiner geopolitischen Lage: Das Binnenland grenzt im Norden an Libyen, im Osten an den Sudan, im Süden an die Zentralafrikanische Republik und im Westen an Kamerun, Niger und Nigeria. Damit ist der Tschad ein wichtiges Transitland für Flüchtlinge, das aber auch viele Flüchtlinge aufnimmt. Vor diesem Hintergrund beschlossen auf dem Migrationsgipfel in Paris mehrere europäische und afrikanische Länder, Asylansprüche künftig bereits dort prüfen zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron kündigten an, Flüchtlinge aufzunehmen, die dies im Tschad und in Niger beantragt haben.

Der Tschad war lange Zeit eine französische Kolonie. In den Sechzigerjahren erlangte er wie viele andere afrikanische Staaten die Unabhängigkeit und wurde zunächst zum Einparteienstaat. 1982 wurde das Land vom Ex-Diktator Hissène Habré erobert, der die zweite Republik ausrief und schwere Menschenrechtsverbrechen verübte. Ein Sondertribunal hatte 2016 den Ex-Diktator zu lebenslanger Haft verurteilt. Habré wurden Mord, Folter, Entführung, Zwangsprostitution und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. 1990 kam es zu einem Machtwechsel; seither regiert der jetzige Präsident Idriss Déby. Damit wurde das Land formal zur Demokratie und es kam zu einem mehrere Jahre anhaltenden Wirtschaftsaufschwung. Seit 2003 fördert der Tschad auch Erdöl.