Die Regierung von Bangladesch hat die Bewegungsfreiheit der mehr als 400.000 Rohingya-Flüchtlinge aus dem Nachbarland Myanmar eingeschränkt. "Sie können nicht über die Straßen, Schienen oder auf dem Wasser von einem Ort zum anderen reisen", sagte eine Polizeisprecherin. Die Flüchtlinge müssten ausschließlich in den von der Regierung ausgewiesenen Lagern bleiben, "bis sie in ihr Land zurückkehren".

Die Sprecherin forderte die Menschen auf, keine Rohingya bei sich aufzunehmen und sie nicht per Bus oder Anhalter mitzunehmen. Falls die Rohingya Freunde oder Verwandte in Myanmar hätten, dürften sie auch dort nicht unterkommen.

Die Polizei richtete Kontrollpunkte an Straßen ein. Nachdem bereits Dutzende Flüchtlinge in Städten fernab der Grenze gesehen wurden, fürchten die Behörden, dass sich Tausende neu ankommende Rohingya überall im ohnehin bitterarmen Bangladesch niederlassen könnten.

Tausende Rohingya überqueren täglich die Grenze

Die Vereinten Nationen hatten zuvor mitgeteilt, die Zahl der aus Myanmar geflohenen Rohingya sei auf 409.000 gestiegen. Ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sagte, alleine in den vorangegangenen 24 Stunden hätten etwa 18.000 Angehörige der Rohingya-Minderheit die Grenze nach Bangladesch überquert. Anfangs hatte Bangladeschs Regierung versucht, die Flüchtlinge zu stoppen, gab das Vorhaben zuletzt aber auf. Viele der Neuankömmlinge sind traumatisiert oder verletzt.

Bangladeschs Regierungschefin Sheikh Hasina will kommende Woche in New York an die UN-Generalversammlung appellieren, ihrem Land Hilfe bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise zu leisten. Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi sagte ihre Reise zur Vollversammlung ab. In einer Petition fordern derzeit Hunderttausende Menschen, ihr den Friedensnobelpreis abzuerkennen, den sie 1991 für ihren jahrzehntelangen gewaltfreien Widerstand gegen die Militärdiktatur bekommen hat.

Bangladesch wirft Myanmar "Provokationen" vor

Unterdessen sandte die Regierung von Bangladesch dem Gesandten Myanmars eine Protestnote. Sie warfen dem Nachbarland vor, dreimal in Bangladeschs Luftraum eingedrungen zu sein. Solche "provozierenden" Maßnahmen könnten zu Konsequenzen führen. Myanmar erklärte dagegen, etwaige Verstöße seien nicht bekannt.

Myanmar - Weiterhin Übergriffe auf Rohingya Trotz internationaler Kritik leidet die muslimische Minderheit weiter unter Gewalt und Brandstiftungen. Regenfälle verschärfen die Situation geflüchteter Rohingya. © Foto: Mohammad Ponir Hossain/Reuters

Die muslimischen Rohingya gelten in Myanmar als staatenlos. Der seit Jahren andauernde Konflikt in Myanmars Bundesstaat Rakhine war Ende August eskaliert, als einige Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt. Hunderte Menschen wurden getötet, ihre Häuser niedergebrannt.

Die UN kritisierten die Gewalt gegen die Gruppe als "ethnische Säuberungen". Sie befürchten, die Zahl der Betroffenen könne auf eine Million ansteigen. Die Regierung von Myanmar teilte mit, Hunderte Rohingya-"Terroristen" seien getötet worden. 176 von 471 Dörfern seien mittlerweile verlassen. Myanmar behauptet, Aufständische der Rohingya würden diese gemeinsam mit Dorfbewohnern zerstören. Beweise hat die Regierung dafür bisher noch nicht geliefert.