Dieser massive ausländische Einfluss sorgt für Unmut, vor allem bei langjährigen Regimevertretern und Assad-Vertrauten, die sich iranischen und russischen Anweisungen unterordnen müssen. Für alle noch spürbarer ist allerdings der Einfluss der beiden syrischen Gewinner des Konflikts.

Die lokalen Kriegsherren, die mit ihren Milizen für Assad kämpfen, wollen finanziell und personell am Sieg beteiligt werden. Viele von ihnen waren vor dem Krieg gewöhnliche Kriminelle und sind in den vergangenen Jahren reich und mächtig geworden – mit dem Schmuggel von Waffen, Öl und Nahrungsmitteln, mit Schutzgelderpressung und Entführungen, Geldwäsche, Plünderungen und dem willkürlichen Abkassieren von Syrern an Checkpoints. Vielerorts rührt sich Widerstand und Protest gegen das Gebaren dieser Gangster, auch in Assads Kernland. Bekommt das Regime sie nicht in den Griff, wird keine Ruhe einkehren – Assad wird sie deshalb mit Geld und Posten kaufen.   

Daneben wollen syrische Geschäftsleute, die dem Regime nahestehen und am Krieg verdient haben, jetzt ihre Dividende kassieren. Sie wollen den Wiederaufbau dominieren und einen Großteil der ausländischen Finanzhilfe einstreichen, sobald diese fließt. Schon jetzt profitieren sie von den etwa 120 Millionen Euro, die die Vereinten Nationen jedes Jahr für Güter und Dienstleistungen in Syrien ausgeben. Diese Günstlinge des Regimes wachen eifersüchtig darüber, dass keine "abtrünnigen" Industriellen zurückkehren, auf die Assad jedoch angewiesen ist, weil er für den horrend teuren Wiederaufbau (200–350 Milliarden US-Dollar) jeden syrischen Unternehmer braucht.

Eine Aussöhnung ist mit Assad unvorstellbar

Assad ist also abhängig von Leuten, die Syrien lediglich zur persönlichen Bereicherung und Machterweiterung benutzen. Was vordergründig wie Stabilität aussieht – weil keine Bomben mehr fallen, Schutt von den Straßen geräumt wird und Händler ihre Läden öffnen –, ist in Wirklichkeit Grabesruhe. Die Menschen sind zwar sicher vor Luftangriffen, aber nicht vor dem Einfluss der Milizen und Geheimdienste, nicht vor der Verhaftungs- und Vernichtungsmaschinerie des Regimes und nicht vor Enteignung. Ein Syrien unter Assad wird weiterhin zentralistisch, totalitär und von Willkür geprägt sein, wobei sich Klientelismus und Vetternwirtschaft durch die Kriegsökonomie und den Einfluss des Auslands noch verschärft haben. Die Ursachen des Aufstands bestehen folglich fort und haben sich zum Teil verschlimmert. Das, was die syrische Gesellschaft eigentlich bräuchte – Stabilität ohne Angst, Aussöhnung, Mitsprache, Gerechtigkeit und Chancengleichheit –, ist mit Assad und den Garanten seiner Macht nicht vorstellbar.

Der Konflikt in Syrien ist deshalb nicht zu Ende, sondern tritt in eine neue Phase. Wer als geflüchteter Syrer an einem sicheren Ort ein erträgliches Dasein fristet, wird vorerst nicht zurückgehen. Sollte die Rückkehr von syrischen Geflüchteten ein erklärtes Interesse Deutschlands sein, müsste sich die neue Bundesregierung für ein anderes Syrien einsetzen. Fünf Dinge wären dabei hilfreich:

Erstens die deutsche Militärintervention beenden. Auch wenn es um den Kampf gegen den Terror des IS geht – deutsche Tornados helfen bei der Bombardierung von Zivilisten und nicht bei deren Schutz. Wer aber seine Flugzeuge nicht in den Dienst der Zivilbevölkerung stellt, hat im Luftraum eines fremden Landes nichts zu suchen. Die halbe Million Euro, die der Tornado-Einsatz täglich kostet, sollte die Bundesrepublik besser zur Versorgung der Syrer in den Nachbarländern einsetzen.