Wer mit dem Präsidenten sprechen will, muss an Donald Trumps Stabschef John F. Kelly vorbeikommen. Der Ex-General führt im Weißen Haus ein striktes Regiment, er stellt die Gespräche durch. Die lockeren Zeiten und der kaum kontrollierte Informationsfluss unter seinem Vorgänger sollten damit vorbei sein. Doch ausgerechnet der Präsident hält sich offenbar nicht immer an die neuen Regeln, denn ist Kelly gerade mal nicht in der Nähe, nimmt sich Trump offenbar sein privates Telefon und ruft dann seine externen Berater und Geschäftsfreunde selbst an, berichtete vergangene die Washington Post. Zu den Angerufenen zählt demnach auch sein vor wenigen Wochen aus dem Oval Office geschasster Chefstratege, der Rechtsnationalist Stephen K. Bannon.

Dass der Mann, den viele für den genialen Trump-Einflüsterer hielten, das Weiße Haus geräuschlos in Richtung seiner alten Wirkungsstätte, der Nachrichten- und Meinungswebsite Breitbart News, verlassen würde, damit hatte in Washington kaum einer gerechnet. Und es sollte auch nur ein paar Stunden dauern, bis sich Bannon am Tag seines Rauswurfes selbst zu Wort meldete. Im Interview mit dem konservativen Magazin Weekly Standard beteuerte er zwar offiziell  seine Trump-Loyalität, sagte aber gleichzeitig: "Die Trump-Präsidentschaft, für die wir gekämpft und die wir gewonnen haben, ist vorbei." 

Noch am selben Abend leitete Bannon seine erste Breitbart-Redaktionskonferenz. Bannon, soviel ließ sich zwischen den Zeilen herauslesen, geht es um die politisch-strategische Deutungshoheit. Jetzt, ohne offiziellen Zugang zum Weißen Haus, vielleicht mehr denn je. Aber wie gefährlich oder nützlich kann Bannon außerhalb des Weißen Hauses für den Präsidenten werden? Wie reagiert Breitbart auf den Rauswurf? Und was sagt Trumps Basis, inklusive der Alt-Right, wenn der Chefstratege gehen muss? Das sind alles Fragen, die auch der Präsident gern mit Bannon besprechen will. 

Bannon weiß: Trump ist besessen von Einschaltquoten

"Bannon ist derjenige, der an die Dinge glaubt, mit denen Donald Trump Wahlkampf gemacht hat", sagt Tara Palmeri. Sie ist Korrespondentin der Nachrichtenwebseite Politico und als Reporterin beinah täglich im Weißen Haus. "Für Trump war er eine Schlüsselfigur auf dem Weg ins Weiße Haus. Bannon hat ihm geholfen, sich zu einer für seinen Sieg nicht unbedeutenden Wählergruppe hin zu öffnen."

Mit dieser Wählergruppe ist die sogenannte Alt-Right gemeint, wobei man bei Trump genau unterscheiden muss zwischen den einzelnen Fraktionen, Trumps Basis an sich ist weitaus größer als die Alt-Right. Die Alt-Right-Bewegung ist ein loser Zusammenschluss von Ethnonationalisten, der sich ohne Wortführer vor allem im Internet organisiert. Ideologisch steht sie rechtsaußen von Trumps Basis, die sich wiederum aus verschiedenen Strömungen zusammensetzt: von politisch und ökonomisch motivierten Populisten über Interventionismus-Gegner bis hin zu einem Stamm von Nationalisten, der sich vom vermeintlichen Establishment vergessen fühlt.

Welche Rolle spielt Bannons Weggang aus dem Weißen Haus für diese Gruppen? Besonders der Einfluss auf die Alt-Right steht nach dem Aufmarsch in Charlottesville im Fokus. Beim Parteitag der Republikaner im Juli 2016 bot Bannon der Bewegung eine publizistische Spielwiese an: Breitbart News, sagte er damals, sei "die Plattform für die Alt-Right".

In der Tat muss man sich die Webseite wie einen Ort vorstellen, der ideologische Geldwäsche betreibt: Hier werden Alt-Right-Ideen – Verschwörungstheorien, antisemitische Thesen, verdeckter Rassismus, Homophobie – in Form von vermeintlich seriöser journalistischer Aufarbeitung weichgespült und an ein größeres Publikum weitergereicht.  

Was Bannon und Trump unterscheidet, ist, dass ersterer sich tatsächlich für historische Zusammenhänge und politische Systeme interessiert, so stammt beispielsweise der Muslim ban aus seiner Feder und er hat Trump die Nafta-Absage eingebläut. Der Präsident dagegen ist besessen von Einschaltquoten und Umfragewerten. Das weiß auch Bannon.