In Frankreich bekommt der rechtsextreme Front National (FN) Konkurrenz: Der frühere FN-Vizevorsitzende Florian Philippot kündigte im Sender LCI die Gründung einer eigenen politischen Gruppierung an. Damit fordert der langjährige Chefstratege Front-National-Chefin Marine Le Pen heraus, die ihn entmachtet hatte.

Philippot sagte dem Sender, juristisch betrachtet sei seine Vereinigung mit dem Namen Die Patrioten eine neue Partei. "Aber de facto ist es keine Partei, weil wir nicht wie traditionelle, hierarchisch organisierte Parteien vorgehen wollen, in denen alles von oben verordnet wird." Er bevorzuge deshalb die Bezeichnung "politische Formation". Auch Emmanuel Macron hatte eine eigene Bewegung gegründet. Mit En Marche! hatte er Erfolg: Der 39-Jährige wurde im Mai zum jüngsten Präsidenten Frankreichs gewählt.

Er wolle einen "Sammelpunkt für alle Patrioten" schaffen, sagte Philippot weiter. Dafür wolle er "die besten Kräfte zur Rechten wie zur Linken versammeln, um an die Macht zu kommen". Nach eigenen Angaben hat der 35-Jährige bereits 3.000 Anhänger, in den ersten Monaten des kommenden Jahres soll es eine Gründungsveranstaltung geben.

Philippot warf dem Front National vor, die Orientierung verloren zu haben. Er hatte der Partei in den vergangenen Jahren eine Strategie der Entdiabolisierung verordnet und war vor gut einer Woche aus Protest gegen seine Entmachtung ausgetreten.

"Nur ein Club von Kumpeln"

Le Pen spielte die Bedeutung der neuen Gruppierung herunter und äußerte sich herablassend über Philippots neue Gruppierung. Sie sei keine Partei, sondern "ein Club von Kumpeln", der keinerlei politischen Einfluss habe, sagte sie der Zeitung La Voix du Nord. Sein Abgang entferne einen "Stachel aus dem Fuß" des FN.

Le Pen will am Samstag bei einem Parteitreffen im westfranzösischen Poitiers eine Neuausrichtung des Front National anstoßen. Diskutiert wird auch über einen neuen Namen. Damit will die FN-Chefin den Führungsstreit überwinden und die Niederlage bei der Präsidentschaftswahl im Mai hinter sich lassen. In der Stichwahl war sie Emmanuel Macron mit 33,9 Prozent der Stimmen unterlegen, deutlich weniger als erhofft. Im März 2018 soll die Neuaufstellung auf einem Kongress im nordfranzösischen Lille beschlossen werden.

Ihr Vater und Parteigründer Jean-Marie Le Pen rief seine Tochter auf, "zu den Grundlagen zurückzukehren". Die FN müsse sich geschlossen zeigen und wieder die alleinige Vertretung aller Patrioten werden, forderte er in einem offenen Brief an die Anhänger. Seine Tochter hatte ihn 2015 aus der Partei ausgeschlossen. Grund war seine wiederholte Äußerung, der Holocaust sei nur ein Detail der Geschichte.