Zehn Jahre nach ihrer gewaltsamen Übernahme des Gazastreifens hat die Hamas ihre Bereitschaft zum Einlenken bekundet. In einer Mitteilung an Journalisten teilte die radikalislamische Palästinenserorganisation mit, sie sei bereit, die Kontrolle der Küstenenklave an die Regierung des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas zu übergeben und ihr Verwaltungskomitee aufzulösen. Außerdem stimme die Organisation allgemeinen Wahlen zu einer Einheitsregierung zu, hieß es in der Mitteilung. Die Gruppe sei zu Versöhnungsgesprächen mit der rivalisierenden Fatah unter ägyptischer Vermittlung bereit.

Mahmud al-Alul, Mitglied des Fatah-Zentralkomitees und Vize des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas, sprach im palästinensischen Rundfunk mit Blick auf das Angebot von "guten Nachrichten". Er blieb jedoch skeptisch, ob dies wirklich zu einer umfassenden Versöhnung der beiden größten Palästinenserorganisationen führen werde.

Unklar blieb, ob die Hamas bereit sind, ihre Sicherheitskräfte unter Abbas' Kontrolle zu stellen – ein schwieriger Punkt in bisherigen Aussöhnungsverhandlungen, die wiederholt gescheitert waren. 2014 bildeten die beiden größten Palästinenserorganisationen eine Einheitsregierung und kündigten allgemeine Wahlen an. Auch diese Initiative scheiterte jedoch.

Im Sommer 2007 vertrieb die Hamas die gemäßigtere Fatah nach einem wochenlangen Bürgerkrieg gewaltsam aus dem Gazastreifen. Dies führte zur faktischen Teilung der Autonomiegebiete: Seither dominiert die Hamas den Gazastreifen, während die Fatah das Westjordanland kontrolliert und die vom Westen unterstützte Palästinenserbehörde leitet.

Abbas stellte Zahlungen ein, um Hamas zu bewegen

Zuletzt hatte die Fatah den Druck auf die Hamas erhöht, um eine Einigung herbeizuführen. Abbas' Regierung kürzte unter anderem die Gehälter für die öffentlich Bediensteten im Gazastreifen. Auf seinen Wunsch kürzte Israel zudem die Stromlieferungen. Menschenrechtler warnten vor katastrophalen Zuständen in dem Küstenstreifen, in dem etwa zwei Millionen Menschen leben.

Die Hamas ist die kleinere und radikalere der beiden Palästinenserorganisation. Die 1987 gegründete Gruppe bestreitet das Existenzrecht Israels und fordert die gewaltsame Errichtung eines islamischen Palästinas vom Mittelmeer bis zum Jordan. Ihr militärischer Arm hat immer wieder tödliche Terroranschläge auf Israelis verübt und Tausende Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert. Die Gruppe wird von der syrischen und der iranischen Regierung unterstützt.

Die EU stuft die Hamas als Terrororganisation ein. Im Mai wählte die Gruppe allerdings einen neuen Vorsitzenden, Ismail Hanija, der zum gemäßigten Flügel gehört und internationalen Anschluss sucht.