Die britische Premierministerin Theresa May will trotz des geplanten Brexit in Sicherheitsfragen eng mit der Europäischen Union zusammenarbeiten. Wie sie bei einem informellen Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsländer in Tallinn mitteilte, will sie der EU dafür eine starke Sicherheitspartnerschaft anbieten.

Ihr Land habe das größte Militärbudget in Europa, ein weites diplomatisches Netz, Sicherheits- und Geheimdienste von Weltrang und eine zentrale Rolle in der Nato, sagte May. Somit sei Großbritannien für die Verteidigung Europas wichtiger denn je. Als zentrale Herausforderungen einer sicherheitspolitischen Zusammenarbeit nannte die Premierministerin Terrorismus, Cyberkriminalität, illegale Einwanderung und die "russische Aggression". "Die Bedrohungen, denen wir uns als Europäer gegenübersehen, nehmen an Größe und Komplexität zu", sagte May. Daher sei es mehr denn je im Interesse aller Europäer, sich dem geschlossen entgegenzustellen.

Dafür strebe die britische Premierministerin eine starke Partnerschaft an, "die unsere gemeinsame Geschichte widerspiegelt, unsere gemeinsamen Werte voranbringt und ein sicheres und wohlhabendes Europa erhält". Details zur möglichen Organisation der Zusammenarbeit nannte May nicht. Bereits beim EU-Austrittsantrag im März hatte Großbritannien eine weitere Zusammenarbeit bei Sicherheitsfragen thematisiert. Auch May hatte dies zuletzt bei einer Rede in Florenz gefordert. Dort sagte sie, man solle den Brexit nicht als Ende einer Beziehung, sondern als Start einer neuen Partnerschaft sehen.

Bei den bisherigen Brexit-Verhandlungen spielte eine Sicherheitspartnerschaft bislang keine Rolle, weil man bei anderen Fragen – etwa dem künftigen Status von EU-Bürgern in Großbritannien – nur langsam vorankam. Am Donnerstag war eine weitere Verhandlungsrunde mit nur mäßigen Fortschritten abgeschlossen worden.