Viel Weißwein trinken und den Kleiderschrank aufräumen – damit hat Hillary Clinton die Tage nach der Niederlage gegen Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November 2016 verbracht. So schreibt es die ehemalige Außenministerin und First Lady in ihrem Buch What Happened, das an diesem Dienstag in den USA erscheint. Ein bisschen Klischee, ein bisschen langweilig, aber nah dran am Durchschnittsamerikaner, so wirkt dieses kleine persönliche Bekenntnis. Man fragt sich, ohne die weiteren gut 500 Seiten gelesen zu haben – Auszüge hatten nur ausgewählte US-Medien –, ob die Nähe zum Durchschnittsamerikaner der so generalstabsmäßig geplanten Kampagne hätte helfen können, die Niederlage gegen Donald Trump zu verhindern.

Diesen Vorwurf musste sich Clinton während des Wahlkampfs und danach immer wieder anhören: keine sympathische Kandidatin gewesen zu sein. Eine, die zwar versucht, das Baby für die Presse zu herzen, der man es aber nicht so richtig abnimmt. What Happened soll nun also Clintons Sicht auf die Ereignisse des vergangenen Herbstes darlegen, bei Amazon rangiert das Buch schon vor Verkaufsstart in den Bestsellerlisten. Die Clintons, das ist nach den Kennedys das Glamouröseste, was die amerikanische Politik zu bieten hat, über sie reden geht immer. Und Hillary Clinton sorgt mit ihrem Buch dafür, dass das auch so bleibt.

Dem Sender CBS gab sie am Wochenende ein Interview vor der großen Buchtour. "Ich bin fertig damit, eine Kandidatin zu sein", sagte sie. Doch mit der Politik sei sie noch lange nicht fertig. Und fertig ist sie auch noch nicht mit der Aufarbeitung ihrer schlimmsten Niederlage.

Die Auszüge, die bis dato bekannt sind, unter anderem zitieren die New York Times und CNN aus dem Buch, lesen sich wie eine sehr kalkulierte Mischung aus eigenem Schuldbekenntnis und den Fehlern anderer, die ihr zum Verhängnis wurden. "Ich habe alle hängenlassen", wird Clinton zitiert. Und dass sie es nicht geschafft habe, einen Slogan für ihren Wahlkampf zu entwickeln, der für die Wähler so funktioniert hätte wie Trumps Make America Great Again.

Sanders' Ideen: hoffnungslos unrealistisch

Es sei ihr Wahlkampf gewesen, schreibt Clinton, also auch ihre Niederlage. "Ich führte einen traditionellen Präsidentschaftswahlkampf mit sorgfältig durchdachter Politik und mühevoll aufgebauten Koalitionen, während Trump eine Reality-TV-Show betrieb, die fachmännisch und unerbittlich die Wut und Abneigung der Amerikaner schürte", zitiert CNN aus dem Buch. 

Doch ganz allein auf sich will Clinton die Schuld nicht nehmen. Sie kritisiert den ehemaligen FBI-Chef James Comey für seine Entscheidung, spät im Wahlkampf erneut ihre E-Mail-Affäre zum Thema gemacht zu machen, macht Sexismus für ihre Niederlage verantwortlich – schließlich habe mit Trump der sexistische Kandidat triumphiert – und greift ihren demokratischen Kontrahenten Bernie Sanders an. Dieser habe mit seiner Kandidatur die Demokratische Partei zerstören wollen. Seine politischen Ideen seien hoffnungslos unrealistisch gewesen. Auch Ex-Präsident Barack Obama kritisiert Clinton in diesem Zusammenhang. Er habe sie davon abgehalten, in den Vorwahlen aggressiv gegen Sanders vorzugehen.

Natürlich gibt es auch Privates über die Eheleute Clinton zu lesen, das Buch soll sich verkaufen und ein politisches Proseminar allein wäre wohl zu sehr etwas bloß für Liebhaber.