Der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter hat sich gegen die geplante Abstimmung in den irakischen Kurdengebieten ausgesprochen. Der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten sagte er, das Unabhängigkeitsreferendum gefährde nicht nur die Sicherheit in der Region, sondern auch die militärische Unterstützung durch die Bundeswehr. "Der internationale Druck würde bei einer angestrebten Unabhängigkeit derart wachsen, dass auch eine fortdauernde deutsche Hilfe für die Regionalregierung nicht mehr gesichert wäre – das würde sich vor allem auf die militärische Kooperation auswirken." Der CDU-Abgeordnete ist Obmann der Unionsfraktion im Auswärtigen Ausschuss und ehemaliger Generalstabsoffizier.

Seit drei Jahren erhalten Kämpfer der kurdischen Peschmerga im Kampf gegen die Milizen des "Islamischen Staats" Waffen, Ausrüstung und Ausbildung durch die Bundeswehr. Nach Kiesewetters Einschätzung seien die Kurden jedoch "tief zerstritten", einen unabhängigen Kurdenstaat im Nordirak halte er für "nicht lebensfähig". Bisher hat das Gebiet den Status einer autonomen Region.

In dem Referendum am 25. September können knapp fünf Millionen Kurden für oder gegen die Unabhängigkeit Kurdistans als souveräner Staat stimmen. Das Votum ist rechtlich nicht bindend.

Kiesewetter hält die Folgen dieser Entscheidung für gefährlich: "Eine Unabhängigkeit Kurdistans hätte den völligen Zerfalls des Iraks zur Folge und würde die schiitischen Kräfte und damit den Einfluss des Irans im Rest-Irak weiter stärken und die Ausweitung eines Regionalkriegs fördern." Dies sei, sagte der CDU-Politiker, nicht im Interesse der Weltgemeinschaft. 

Der UN-Sicherheitsrat hatte sich gegen das geplante Referendum ausgesprochen: Ein unabhängiges Kurdengebiet gefährde den Kampf gegen die Terrormiliz des sogenannten "Islamischen Staats" und habe eine "potenziell destabilisierende" Wirkung. Auch die türkische Regierung hatte die kurdische Führung wiederholt zu einer Absage des Referendums aufgefordert. Aus dem Nachbarland Iran kam die Warnung, ein freies Kurdistan würde zu "einem weiteren Israel" werden.