Nach dem Irak, Iran, Deutschland, der Türkei und den USA hat auch UN-Generalsekretär António Guterres die Pläne der irakischen Kurden kritisiert, am 25. September über ihre Unabhängigkeit abzustimmen. Das geplante Referendum beeinträchtige den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), ließ Guterres mitteilen.

Zudem dürfte es den Wiederaufbau in zurückeroberten Gebieten und die Rückkehr von mehr als drei Millionen Flüchtlingen behindern. Eine Unabhängigkeit sei nicht notwendig; stattdessen glaube er daran, dass die Probleme zwischen der Regierung und der kurdischen Regionalverwaltung durch Dialog und Kompromiss gelöst werden könnten. Er rief alle Verantwortlichen zu Geduld und Zurückhaltung auf.

Zuvor hatte sich auch der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi gegen das Referendum ausgesprochen. Wenn die Kurden weiter ihre Unabhängigkeit anstrebten, müssten sie die Verfassung ändern lassen, sagte er. Dazu müssten sie das Parlament überzeugen und alle Iraker in einem Referendum abstimmen lassen.

Kein "zweites Israel im Nordirak"

Sein Stellvertreter Nuri al-Malik drohte den Unterstützern der Abstimmung. "Wir warnen die Unterstützer des Referendums vor den gefährlichen Auswirkungen, die diese Maßnahmen auf die Souveränität und Einheit des Iraks haben werden", sagte er nach offiziellen Angaben bei einem Treffen mit dem US-Botschafter. Sein Land werde nicht dulden, dass ein "zweites Israel im Nordirak" entstehe.

Der Iran hatte bereits angekündigt, einem unabhängigen Kurdenstaat im Nordirak die Kooperation zu verweigern. Insbesondere die militärische Zusammenarbeit werde in einem solchen Fall eingestellt, sagte der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats Ali Schamchani laut der iranischen Nachrichtenagentur Isna.

Die irakischen Kurden wollen nicht nur in den drei Bezirken ihrer autonomen Region abstimmen lassen, sondern auch in umstrittenen Gebieten, die von kurdischen Truppen kontrolliert, aber von der Zentralregierung in Bagdad beansprucht werden. Das kurdische Regionalparlament hatte die Volksbefragung freigegeben. Der Präsident der Autonomen Region Kurdistan, Massud Barsani, schloss eine Verschiebung der Abstimmung aus.