Irak - Zahlreiche Tote bei Selbstmordattentaten Bei Anschlägen auf ein Restaurant und einen Kontrollposten in der Nähe der südirakischen Stadt Nasirija sind mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 100 weitere wurden verletzt. © Foto: Essam Al Sudani/Reuters

Bei einem Doppelanschlag auf ein Restaurant und einen Kontrollpunkt in der Nähe der südirakischen Stadt Nasirija sind mindestens 50 Menschen getötet und weitere 87 verletzt worden. Das berichtet die Nachrichtenseite Al-Sumaria unter Berufung auf die dortige Gesundheitsbehörde. Nach Angaben der Nachrichtenagenturen Reuters und AFP könnten es aber noch weitaus mehr Tote sein: Sie berichten von 60 oder gar 74 Toten. Letztere Zahl stammt ebenfalls von einem Sprecher der Gesundheitsbehörde. Die Zahl der Verletzten könnte demnach auf mehr als 100 steigen. Unter den Opfern sollen nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur 15 Iraner sein. Sie bezog sich dabei auf medizinische Kreise in der Provinz Thi Kar. AFP berichtete von sieben getöteten Iranern.

Das irakische Innenministerium erklärte, Bewaffnete hätten zunächst auf Besucher eines Restaurants an einer Schnellstraße geschossen. Al-Sumaria meldete unter Berufung auf Sicherheitskreise, Männer in Militäruniformen hätten wahllos auf die Gäste gefeuert. Später sei an einem Kontrollpunkt einer der Wagen der Angreifer explodiert. Aus lokalen Quellen hieß es, die Bewaffneten seien in Richtung der weiter südlich gelegenen Großstadt Basra geflohen.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte den Anschlag für sich. In einer Erklärung im Internet sprachen die Extremisten von drei Gruppen von Selbstmordattentätern. Mehrere Angreifer hätten sich selbst in die Luft gesprengt, davon einer in dem Restaurant. Auch das IS-Sprachrohr Amak berichtete über den Angriffe.

Anschläge des IS im Süden des Iraks selten

Der IS verübt fast täglich Anschläge im Irak. Zwar hat die sunnitische Extremistengruppe praktisch alle Gebiete verloren, die sie seit 2014 erobert hatte, doch ist sie weiterhin aktiv. Das Doppelattentat war der schwerste IS-Anschlag seit dem Verlust ihrer nordirakischen Hochburg Mossul, die Anfang Juli von der irakischen Armee zurückerobert worden war.

Die Terrormiliz bekennt sich immer wieder zu Attentaten im Irak. Der IS nimmt dabei vor allem Schiiten ins Visier. So will der IS die Spannungen zwischen den beiden größten Konfessionen des Iraks weiter verstärken. Der vor allem von Schiiten bewohnte Süden gilt eigentlich als stabil. Anders als etwa in der Hauptstadt Bagdad gab es dort in der Vergangenheit kaum Attentate.

Irak rechnet mit weiteren Anschlägen

Der IS hatte in den vergangenen Monaten im Irak massive Verluste erlitten. Zuletzt konnten irakische Regierungstruppen die frühere IS-Hochburg Mossul im Norden des Landes und die nahe gelegene Stadt Tal Afar einnehmen. Damit haben die Extremisten den allergrößten Teil ihres früheren Herrschaftsgebietes im Irak wieder verloren. Zwar ist der IS erheblich geschwächt und hat bei den Gefechten in den vergangenen Jahren Tausende Kämpfer verloren, doch verfügt die Miliz weiter über Hunderte Anhänger, die zu Selbstmordattentaten bereit sind.

Aus den Sicherheitsbehörden wurde die Einschätzung geäußert, die Anschläge könnten einen Strategiewechsel des IS einleiten. Nach dem Verlust ihrer Hochburg Mossul wolle die Miliz ein Signal der Stärke an die eigenen Anhänger senden. "Wir rechnen mit weiteren solchen Anschlägen. Der IS ist verzweifelt darum bemüht, seinen Anhängern zu beweisen, dass er noch stark sei", sagte der Polizei-Geheimdienstler Murtatha al-Jassiri.