Die Türkei hat die kurdische Führung im Nordirak zur Absage des geplanten Referendums über ihre Unabhängigkeit aufgefordert. Das für kommenden Montag geplante Referendum sei "illegal und inakzeptabel", teilte der Nationale Sicherheitsrat der Türkei nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mit. Sollte die Abstimmung dennoch stattfinden, behalte sich die Regierung in Ankara auf der Basis bilateraler und internationaler Vereinbarungen alle Optionen vor.

Der Nationale Sicherheitsrat hatte am Samstagabend in der türkischen Hauptstadt mehrere Stunden unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan getagt. Erdoğan hatte in den vergangenen Tagen im Fall eines Referendums mit Sanktionen gedroht. Weiterhin teilte der Sicherheitsrat mit, das Referendum sei eine unmittelbare Bedrohung für die Sicherheit der Türkei und den Frieden, die Sicherheit und die Stabilität der Region. 

"Die Türkei ist dazu bereit, zwischen der Zentralregierung des Iraks und der kurdischen Regionalverwaltung zu vermitteln." Ankara hatte zuvor bereits vor einem Bürgerkrieg gewarnt. Das Referendum werde seinen Preis haben. Neben der irakischen Zentralregierung und der Türkei haben sich auch die UN, die USA, der Iran und die deutsche Bundesregierung gegen das Referendum ausgesprochen. Selbst viele Kurden halten den Zeitpunkt und die Umstände der jetzigen Abstimmung für falsch, wenngleich sie die Unabhängigkeit grundsätzlich unterstützen.

Trotz der Kritik von allen Seiten hält Kurdenführer Massud Barsani an der Abstimmung am kommenden Montag fest. "Das Referendum ist nicht länger in meinen Händen noch in jenen der Parteien. Es ist in euren Händen", sagte Barsani am Freitag in einem Stadion der Regionalhauptstadt Erbil. Zuvor hatte er bei Auftritten in Kirkuk, Suleimanijeh und Dohuk immer wieder versichert, dass die Abstimmung abgehalten werde. Nach dem Referendum sei er bereit für einen "ernsthaften offenen Dialog" mit Bagdad, doch jetzt sei es zu spät. Er will sich am Samstag in einer Pressekonferenz abschließend zum Referendum äußern.

Am kommenden Montag sollen Iraks Kurden in einem Referendum über ihre Unabhängigkeit abstimmen. Neben den Bewohnern der Kurdischen Region im Irak (KRI) werden auch Kurden in außerhalb liegenden kurdischen Gebieten abstimmen, darunter Kirkuk. Anders als das britische Referendum über den EU-Austritt ist das Votum rein symbolisch. Auf die erwartete Zustimmung soll keine einseitige Abspaltung folgen, vielmehr solle die "Entschlossenheit der Kurden zur Unabhängigkeit" demonstriert werden, wie hochrangige KRI-Vertreter beteuern. 

Das Referendum hatte der KRI-Präsident Massud Barsani vor einigen Monaten angesetzt. Was er damit bezwecken wollte, bleibt unklar. Kritiker vermuten, er wolle seine schwindende Popularität aufpolieren. Andere Beobachter vermuten, er wolle damit der Zentralregierung in Bagdad finanzielle Zugeständnisse für die fast bankrotte Region abtrotzen. Seine Anhänger gehen davon aus, dass er damit die irakische Regierung in Verhandlungen über die Unabhängigkeit zwingen will.