In Japan hat Ministerpräsident Shinzō Abe das Parlament vorzeitig aufgelöst. Damit können die Wahlen zum Unterhaus auf den kommenden Monat vorgezogen werden – ein Jahr früher, als es das Gesetz eigentlich vorsieht. Beobachtern zufolge stehen die Chancen gut, dass Abes Liberaldemokratische Partei auch nach den Neuwahlen die Mehrheit im Unterhaus behalten wird. Allerdings sehen sie die Zweidrittelmehrheit, die sie mit ihrem Koalitionspartner, der Kōmei-Partei, derzeit besitzt, in Gefahr.

Die Konkurrenz wird es Abe jedenfalls nicht einfach machen. Druck übt vor allem die Gouverneurin von Tokio, Yuriko Koike, aus. Ihre "Partei der Hoffnung" konnte zuletzt weitere Wähler und sogar Abgeordnete anderer Oppositionsparteien von sich überzeugen.

Der rechtskonservative Abe regiert Japan seit Ende 2012. Den jüngsten Schritt hatte der 62-Jährige damit begründet, er wolle ein Mandat für einen härteren Kurs gegenüber Nordkorea. Im Zuge der Krise um Nordkorea hatten sich seine wegen Skandalen gesunkenen Umfragewerte gerade wieder erholt.

Dass Abe ein Jahr vor Ende der laufenden Legislaturperiode Neuwahlen ansetzt, sehen Kritiker auch als durchschaubaren Schachzug. Auf diese Weise verhindere Abe, dass ihn die Skandale im Parlament einholten.