Der kambodschanische Oppositionsführer Kem Sokha ist in der Hauptstadt Phnom Penh festgenommen worden. Ihm werde Hochverrat vorgeworfen, teilte die Regierung mit. Demnach lägen ein Video und weitere Beweise vor, die auf einen "heimlichen Plan einer Verschwörung zwischen Kem Sokha, anderen und Ausländern gegen das Königreich Kambodscha" hinwiesen. 

Der Tochter Sokhas zufolge stürmten etwa 100 bis 200 Polizisten in der Nacht das Haus und führten ihren Vater in Handschellen ab. Einen Haftbefehl hätten sie nicht gehabt. Welche Anschuldigungen gegen ihn erhoben wurden, war zunächst nicht klar. "Wir wissen nicht, wo sie ihn hingebracht haben", schrieb die Tochter auf Twitter.

Kem Sokha ist Vorsitzender der Nationalen Rettungspartei Kambodschas, seit der ins Exil geflüchtete Oppositionsführer Sam Rainsy im Februar von dem Posten zurückgetreten war. Die Spannungen in dem südostasiatischen Land haben zuletzt zugenommen. Im kommenden Jahr stehen Parlamentswahlen an. Es wird damit gerechnet, dass die Opposition den seit mehr als drei Jahrzehnten regierenden Staatschef Hun Sen herausfordern wird.

Sen und seiner Regierungspartei wird immer wieder vorgeworfen, politische Gegner gezielt mundtot zu machen. So war auch Rainsy zurückgetreten, weil die Regierung ein Gesetz plante, demzufolge Parteien aufgelöst werden können, wenn ihre Vorsitzenden Vorstrafen haben. Rainsy war wegen Verleumdung zu zwei Jahren Haft verurteilt worden und ging nach Frankreich ins Exil, um dieser Strafe zu entgehen.