Die amerikanische Regierung zieht wegen rätselhafter Erkrankungen mehrerer Botschaftsmitarbeiter mehr als die Hälfte ihres Personals aus Havanna ab. Bis die kubanische Regierung "die Sicherheit der US-Regierungsbeschäftigten sicherstellen kann", werde es in der diplomatischen Vertretung nur noch eine Notbesetzung geben, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des US-Außenministeriums. Visa würden für unbefristete Zeit nicht mehr ausgestellt. 

In den vergangenen Monaten hatten mehrere Botschaftsmitarbeiter in Havanna Gehörerkrankungen erlitten, viele klagten über Schwindel. Die ersten Fälle waren dem US-Außenministerium zufolge 2016 bekannt, als 21 Menschen erkrankten. Einige der Betroffenen hätten dauerhaft ihr Gehör verloren. Andere Symptome seien Tinnitus, Kopfschmerzen, Schwindel und Schlafstörungen gewesen.

Die US-Regierung vermutet hinter den Erkrankungen gezielte Angriffe durch Kuba. Die Diplomaten könnten demnach absichtlich Schall ausgesetzt worden sein. Verantwortliche konnten den Regierungsvertretern zufolge aber noch nicht identifiziert werden.

Das US-Außenministerium hatte es bisher vermieden, offiziell von Angriffen auf seine Diplomaten zu sprechen und stattdessen die Formulierung "Zwischenfälle" gewählt. Den Vorwurf eines "gezielten Angriffs" erhob die Regierung erst jetzt. Vorerst wollte die US-Regierung Sprechern des Außenministeriums zufolge darauf verzichten, kubanische Diplomaten zur Ausreise aus den USA aufzufordern. Das hatten einige Kongressmitglieder verlangt.

Die kubanische Regierung hat die Entscheidung der USA, ihr Botschaftspersonal zurückzuziehen, als übereilt beschrieben. "Wir stellen fest, dass die Entscheidung überstürzt ist und die bilateralen Beziehungen beeinflusst werden", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums. Sie bekräftigte jedoch den Willen Havannas, die Kooperation zwischen beiden Regierungen fortzusetzen.  

Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass die Behörden seines Landes keine Belege für die "Akustik-Attacken" gefunden hätten. Die Ermittler schließen nicht aus, dass ein Drittland oder eine abtrünnige Gruppe aus dem kubanischen Militär dafür verantwortlich sein könnten. 

US-Präsident Donald Trump äußerte sich sehr vage zu den Vorkommnissen in Havanna. Es habe ein "großes Problem" in Kuba gegeben und "sie haben sehr schlimme Dinge getan", sagte Trump am Freitag. Auf wen er sich mit "sie" bezog und was das "große Problem" genau ist, sagte er nicht.

Außenministerium warnt US-Bürger vor Kuba-Reisen

Die Beziehungen zwischen Kuba und den USA hatten sich durch den Vorwurf der "Akustik-Attacken" wieder verschlechtert. Außenminister Rex Tillerson versicherte allerdings, dass die erst vor zwei Jahren unter Barack Obama wiederaufgenommenen diplomatischen Beziehungen zu dem Karibikstaat nicht abgebrochen werden sollen. Kuba habe zugesichert, die Attacken zu untersuchen, und die US-Regierung werde mit Havanna weiterhin bei diesen Untersuchungen "kooperieren", sagte Tillerson. Das Außenministerium warnte US-Bürger dennoch vor Reisen nach Kuba.

Eine offizielle Reisewarnung der Regierung von Donald Trump wird erwartet. Bislang sei zwar nur diplomatisches Personal betroffen gewesen, allerdings hätten sich einige der Attacken in Hotels ereignet, sagte der Regierungsvertreter. Deswegen sei es nicht möglich, für die Sicherheit von US-Bürgern zu garantieren. Trump hatte die Kuba-Politik Obamas immer wieder kritisiert. Im Juni schränkte er die Reisevorschriften für nach Kuba reisende US-Bürger wieder ein. Die sozialistische Führung in Havanna bezeichnete er zuletzt als "brutales Regime".

Auch Mitarbeiter der kanadischen Botschaft in Havanna und deren Familien sollen von den angeblichen "Akustik-Attacken" betroffen sein. Aus dem Umfeld der dortigen kanadischen Vertretung hieß es, mehr als fünf Familien litten unter Beschwerden, darunter mehrere Kinder.