Myanmars Regierung hat dem Internationalen Roten Kreuz laut einem lokalen Medienbericht zugesagt, in der Konfliktregion Rakhine humanitäre Hilfe zu leisten. Die Hilfsorganisation werde unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit und Religion allen Vertriebenen effektive humanitäre Hilfe leisten, berichtete die staatliche Zeitung Global New Light of Myanmar. Bei Kämpfen zwischen Armee und Rebellen der muslimischen Rohingya-Minderheit waren zuletzt zahlreiche Menschen getötet worden, Hunderttausende Rohingya wurden vertrieben.

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Dem Zeitungsbericht zufolge sollen drei Lager im Norden, Süden und dem Zentrum des Bezirks Maungdaw in Rakhine errichtet werden, wo es die heftigsten Kämpfe gab. Zwar bezog sich der Bericht nicht direkt auf Unterstützungen für die Rohingya, nannte aber Gebiete, in vor den Ausschreitungen vor allem Angehörige der Minderheit beheimatet waren.

Bislang hatte die Regierung internationalen Hilfsorganisationen und den UN die Arbeit in Rakhine untersagt. Die faktische Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi sowie die Armee des Landes warfen den Helfern vor, die Rohingya-Rebellen zu unterstützen. Menschenrechtsorganisationen hingegen beschuldigen die Regierung, die Rohingya mit einer systematischen Kampagne aus dem Land zu vertreiben. Hilfsorganisationen vor Ort werden massiv behindert. Das Welternährungsprogramm etwa musste seine Arbeit in Myanmar bereits Mitte Juli einstellen. Die Organisation konnte nach eigenen Angaben die Sicherheit ihrer Mitarbeiter nicht mehr gewährleisten.

Die UN gehen mittlerweile davon aus, dass wegen der vor etwa zwei Wochen eskalierten Kämpfe etwa 290.000 Rohingya ins Nachbarland Bangladesch geflohen sind. Die UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte in Myanmar, Yanghee Lee, sprach zuletzt von möglicherweise mehr als 1.000 Toten durch den Konflikt.

Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch berichteten, dass das Militär die Rohingya mit Kampfhubschraubern, Granatwerfern und Artillerie bekämpfe. Soldaten hätten ganze Siedlungen niedergebrannt. Außerdem gibt es Berichte von Landminen an der Grenze zu Bangladesch, die angeblich geflohene Rohingya an der Rückkehr nach Myanmar hindern sollen. Die Armee weist diese Vorwürfe zurück.

Auch Buddhisten und Hindus in Myanmar sind betroffen. Etwa 27.000 von ihnen wurden von Rohingya-Rebellen vertrieben. Doch während sie staatliche Hilfen erhalten, blieben die Flüchtlinge der Rohingya bisher sich selbst überlassen. In ihrem Zufluchtsort Bangladesch berichten viele Rohingya von Brandstiftungen und Tötungen in ihrer Heimat. Viele Ankommende leiden Hunger und Durst und sind traumatisiert. Flüchtlingslager sind überfüllt, zahlreiche Rohingya lagern deshalb entlang von Straßen und auf jeder freien Fläche. In sozialen Medien dokumentieren Journalisten die Reisen der Geflüchteten.

Verteilungsstellen für Hilfsgüter wurden erst in den vergangenen Tagen eingerichtet. Mitarbeiter berichten, dass die Vorräte um Nahrungsmittel und Wasser zur Neige gingen. Verteilungskämpfe seien ausgebrochen. Eine Helferin sagte: "Wir sind auf eine solch riesige Zahl von Menschen nicht vorbereitet." Zahlreiche Länder wie Malaysia, Indonesien, der Iran und Dänemark sagten den Flüchtlingen in Bangladesch humanitäre Hilfe zu.

Internationale Kritik an Anführerin Suu Kyi

Während Bangladesch zunehmend mit der großen Zahl an Flüchtlingen überfordert ist, werfen Politiker und NGOs weltweit Myanmars Regierung vor, zu wenig gegen die Gewalt zu unternehmen. In den muslimischen Ländern Malaysia, Indonesien und Bangladesch forderten Zehntausende Demonstranten, Suu Kyi den Friedensnobelpreis abzuerkennen. Malaysias Regierungschef Najib Razak warf Suu Kyi vor, zu dem Konflikt zu schweigen. Die Rohingya würden auf geplante Weise "gefoltert, benachteiligt, getötet und vergewaltigt".

Pakistan bestellte den Botschafter Myanmars ins Außenministerium ein. Ihm sei der "starke Protest der Regierung und des pakistanischen Volkes gegen die anhaltende Gewalt" gegen die Rohingya übermittelt worden, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Suu Kyi hatte die Vorwürfe zuvor zurückgewiesen, dass die internationale Kritik auf Fehlinformationen beruhe. Das Ausland diene mit seiner Unterstützung für die Rohingya den "Interessen von Terroristen".

Kaum Reisefreiheit, keine Staatsangehörigkeit

Der Konflikt in Myanmar verschlimmerte sich Ende August. Rohingya-Rebellen hatten Polizeiwachen und Armeekasernen angegriffen. Daraufhin reagierte das Militär mit sogenannten Räumungsoperationen, um Kämpfer zu vertreiben, die sich in Dörfern in Rakhine versteckten.

Im überwiegend buddhistischen Myanmar werden die muslimischen Rohingya seit Jahrzehnten unterdrückt. Die Gruppe gilt als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Ihnen wird die Staatsangehörigkeit verweigert, zudem ist ihre Reisefreiheit eingeschränkt.