Der UN-Sicherheitsrat tritt am Montag zu einer Sondersitzung zusammen, um über eine Reaktion auf den jüngsten nordkoreanischen Atomtest zu beraten. Das Treffen findet auf Antrag der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Japans und Südkoreas statt.

EU-Ratspräsident Donald Tusk forderte den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf, weitere Sanktionen zu verabschieden. Die Europäische Union stehe bereit, sagte Tusk. "Die Risiken werden zu groß." Nordkorea müsse seine Programme zur Herstellung von Atomwaffen, Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen vollständig, nachprüfbar und unwiderruflich einstellen.

US-Präsident Donald Trump sieht hingegen keinen Raum mehr für Diplomatie. Eine Politik der Befriedung mit Pjöngjang funktioniere nicht, schrieb er auf Twitter. "Die verstehen nur eins", sagte er mit Blick auf Nordkorea. Er beschrieb die Handlungen des Landes als sehr feindlich und gefährlich für die USA.

Verteidigungsminister James Mattis drohte Pjöngjang mit einer militärischen Antwort: "Jede Bedrohung der USA oder ihrer Territorien, einschließlich Guam, oder ihrer Verbündeten wird eine massive militärische Antwort nach sich ziehen, eine sowohl effektive als auch überwältigende Antwort."

Trump erwägt als Reaktion auf den Atomwaffentest "zusätzlich zu anderen Optionen" einen totalen Handelsstopp mit allen Ländern, die Geschäfte mit Nordkorea betreiben. Das teilte er auf Twitter mit. Nordkoreas mit Abstand wichtigster Handelspartner ist China.

Zuvor hatte Trump auch eine militärische Reaktion nicht ausgeschlossen. "Wir werden sehen", antwortete er auf Fragen von Journalisten. Der US-Präsident will heute mit seinem Sicherheitsteam, darunter Verteidigungsminister James Mattis und führende Generäle, zu Beratungen zusammenkommen.

Trump kritisiert Beschwichtigungspolitik

Für China ist Nordkorea nach Trumps Auffassung "eine große Bedrohung und Peinlichkeit". Nordkoreas einziger internationaler Partner versuche zwar zu helfen, aber mit wenig Erfolg. Auch Südkorea werde herausfinden, dass Beschwichtigungspolitik nicht der richtige Weg im Umgang mit Nordkorea sei. Erst am Samstag hatten sich Südkorea und die USA darauf geeinigt, angesichts des Konflikts um das Raketen- und Atomprogramm Nordkoreas Südkoreas Verteidigungsfähigkeit auszubauen.

Das südkoreanische Militär hat unterdessen als Reaktion auf den Kernwaffentest eine Gefechtsübung abgehalten. Der Generalstab in Seoul gab bekannt, es sei dabei ein Angriff auf die Atomtestanlage des Nachbarlandes simuliert worden. In der Übung seien F-15-Kampfjets und ballistische Raketen eingesetzt worden. Diese hätten ein Ziel im Meer vor der Ostküste Südkoreas "exakt" getroffen.

Dem südkoreanischen Generalstab zufolge war das Ziel der Übung so gewählt, dass es der Distanz zu Nordkoreas Atomtestanlage entsprach. Ziel der Übung sei gewesen, vor allem die Präzision von Luftschlägen zu erproben.

Zuvor hatte das nordkoreanische Staatsfernsehen berichtet, der Test der Wasserstoffbombe sei ein "absoluter Erfolg" gewesen. Nordkorea könne damit auch eine Langstreckenrakete bestücken. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs wurde der Test in der Provinz Nord-Hamgyŏng im Nordosten des Landes durchgeführt. Dort waren auch schon früher Atomwaffen getestet worden.

Zwei Erdbeben hatten am Sonntagmorgen auf einen Atomtest Nordkoreas hingedeutet. Die US-Erdbebenwarte USGS und die chinesische Behörde maßen für das Beben eine Stärke von 6,3. Die USGS sprach außerdem von einer Explosion. Dieser jüngste Test ist der insgesamt sechste und bislang stärkste Atomwaffentest Nordkoreas.

Die Nato verurteilte den Atomtest als offene Verletzung diverser Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Das westliche Militärbündnis sei besorgt über Pjöngjangs destabilisierendes Verhaltensmuster, das eine Bedrohung der regionalen und internationalen Sicherheit darstelle, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Er forderte Nordkorea auf, sofort alle Atom- und Raketenprogramme nachprüfbar und unwiderruflich einzustellen. Außerdem müsse das Land den Dialog mit der Weltgemeinschaft wieder aufnehmen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron sprachen sich gegen die Tests Nordkoreas aus. Nach einem Telefonat der beiden teilte das Bundespresseamt mit, sie seien sich einig gewesen, dass Nordkorea das internationale Recht missachte. Deswegen müsse die Staatengemeinschaft auf diese erneute Eskalation geschlossen und entschieden reagieren. Merkel und Macron hätten sich demnach für eine Verschärfung der EU-Sanktionen gegen Nordkorea ausgesprochen.

Macron hatte zuvor eine schnelle Reaktion der Mitglieder des UN-Sicherheitsrats gefordert. Ziel sei es, Nordkorea dazu zu bringen, "ohne Bedingungen auf den Weg des Dialogs zurückzukehren und die vollständige, überprüfbare und irreversible Stilllegung seiner nuklearen und ballistischen Programme vorzunehmen", teilte die französische Regierung mit.

Chinas Präsident Xi Jinping und sein russischer Kollege Wladimir Putin bekräftigten gemeinsam, wie wichtig eine atomare Entwaffnung auf der koreanischen Halbinsel sei, hieß es in einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua. Das chinesische Außenministerium rief Pjöngjang dazu auf, "fehlgeleitete Aktionen" einzustellen. Putin forderte eine ruhige Reaktion der Weltgemeinschaft. Emotionen dürfe nicht nachgegeben werden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Die Probleme auf der koreanischen Halbinsel könnten lediglich durch politische und diplomatische Mittel gelöst werden.