Seit elf Jahren testet Nordkorea eigenen Angaben zufolge Atomwaffen – zuletzt soll es am Sonntagmorgen passiert sein. Dabei handelte es sich nach Angaben des Regimes von Machthaber Kim Jong Un um den sechsten Atomwaffentest seit 2006. Diesmal wurde demzufolge keine herkömmliche Atombombe getestet, wie sie zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 in den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki eingesetzt wurden und mehr als 200.000 Menschen töteten. Stattdessen testete die Regierung in Pjöngjang nach eigenen Angaben zum zweiten Mal nach 2016 eine Wasserstoffbombe. Dies ließ sie im Staatsfernsehen verkünden.

Das Zerstörungspotenzial von Wasserstoffbomben ist weitaus größer als dasjenige konventioneller Atombomben. Nach Angaben aus Südkorea hatte die getestete Bombe eine Sprengkraft von 50 bis 60 Kilotonnen. Das würde etwa der vierfachen Sprengkraft jener Atombombe entsprechen, die die USA über Hiroshima abwarfen.

Warum sind Wasserstoffbomben so gefährlich?

Die Funktionsweise von Atombomben basiert auf der Spaltung von Atomkernen. Bei Wasserstoffbomben dagegen kommt es zur Fusion von Atomkernen, also ihrer Verschmelzung. Die dadurch freigesetzten Mengen an Energie sind um ein Vielfaches höher als bei der Kernspaltung. Sowohl bei Atom- als auch bei Wasserstoffbomben kommt radioaktives Plutonium oder Uran zum Einsatz.

Wasserstoffbomben wurden noch nie in einem Krieg eingesetzt. Erstmals erfolgreich getestet wurde die Waffe in den 1950er Jahren von den USA, die Sowjetunion zog wenig später nach. Seit den 1960er Jahren finden die Tests der Bomben unterirdisch statt, um den radioaktiven Niederschlag, den sogenannten Fallout zu begrenzen. Wasserstoffbomben sind eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Atombombe. Bei den fünf größten Atommächten (China, Frankreich, Großbritannien, Russland, USA) sind sie heute Standard.

Wasserstoffbomben sind auch deshalb so gefährlich, weil sie so klein gebaut werden können, dass sie auf den Kopf einer Interkontinentalrakete passen. Kim Jong Un hatte nach Angaben der nordkoreanischen Nachrichtenagentur kurz vor dem jüngsten Test die Beladung einer solchen Rakete mit einer Wasserstoffbombe beaufsichtigt. Deren Sprengkraft könnte demnach sogar mehrere Hundert Kilotonnen erreichen.

Wer sind die Akteure in diesem Konflikt?

Alle diese Faktoren machen den Nordkorea-Konflikt zu einer der gefährlichsten Krisen weltweit. Seit 2009 suchen die wichtigsten Akteure in Sechs-Parteien-Gesprächen nach einer Lösung – bislang ohne Erfolg. Die sechs beteiligten Staaten im Überblick:

Nordkorea: Der 33-jährige Machthaber Kim Jong Un sieht in der Entwicklung von Atomwaffen und Raketen die Überlebensgarantie für sein isoliertes Land. Hatte sich sein 2011 gestorbener Vater und Vorgänger Kim Jong Il anfangs noch auf Verhandlungen eingelassen, so lehnt Kim Jong Un diese ab. Der stark abgeschottete kommunistische Staat sieht sich von den USA und Südkorea bedroht – und rechtfertigt mit der Bedrohung durch den äußeren Feind zugleich sein repressives System.

Südkorea: Das demokratische Nachbarland schwankt zwischen Aussöhnung mit dem Norden und einer harten Linie. Da der Ballungsraum um die Hauptstadt Seoul mit 25 Millionen Menschen nur 50 Kilometer von der Grenze und damit in Reichweite der nordkoreanischen Artillerie liegt, wäre ein Krieg verheerend für Südkorea. Das Bündnis mit der Atomsupermacht USA, die 28.500 Soldaten in Südkorea stationiert hat, soll Nordkorea abschrecken. Außerdem möchte Seoul seine eigenen Raketen perfektionieren. Gleichzeitig versucht der neue Präsident Moon Jae In, über den Dialog mit dem Nachbarn im Norden Spannungen abzubauen.

USA: Die Führung Nordkoreas stellt die Amerikaner als Ursache allen Übels dar und droht der Weltmacht offen mit Atomangriffen. US-Präsident Donald Trump hat die Phase der "strategischen Geduld" für beendet erklärt. Als erster US-Präsident drohte Trump offen Militärschläge an, was bislang aber folgenlos blieb. Daneben bemühen sich die USA, Nordkorea politisch und wirtschaftlich unter Druck zu setzen und dafür Nordkoreas Nachbarn China und Russland als Verbündete zu gewinnen. Pjöngjang soll unter anderem der Zugang zu Devisen verwehrt werden. Zudem macht die Regierung in Washington Druck auf Länder, die Gastarbeiter aus Nordkorea beschäftigen.

China hatte im Koreakrieg (1950–53) an der Seite Nordkoreas gegen Südkorea und die USA gekämpft, aber die Waffenbruderschaft ist längst Vergangenheit. Nie war das Verhältnis zur Regierung in Pjöngjang so schlecht wie heute. China versucht, Nordkorea und die USA zu Verhandlungen zu bewegen. Rund 90 Prozent des nordkoreanischen Handels fließen über China, das die Sanktionen mitträgt, aber den Schmuggel nicht völlig im Griff hat und auch einen Kollaps des Nachbarn fürchtet. Bei einem Krieg könnten chinesischen Befürchtungen zufolge Millionen Flüchtlinge über die Grenze kommen. Sollte ein Zusammenbruch Nordkoreas zur Wiedervereinigung mit Südkorea führen, könnten indes US-Truppen an Chinas Grenze stehen. Weshalb China eher den Status quo bevorzugt.

Japan: Wie Südkorea ist Japan mit den USA militärisch verbündet und sieht Nordkorea als große Bedrohung. Mehrmals flogen nordkoreanische Raketen bei Tests bis in japanische Gewässer oder über Japan hinweg, zuletzt vergangene Woche eine Mittelstreckenrakete. Mit Raketenabwehrsystemen will sich Japan schützen. Zudem nimmt Ministerpräsident Shinzo Abe Nordkorea zum Anlass, um von der rein defensiven Militärdoktrin des Landes abzurücken.

Russland: Knapp 20 Kilometer gemeinsame Grenze machen Russland und Nordkorea zu Nachbarn, eine Bahnlinie verbindet beide Länder. Moskau verurteilt die nukleare Aufrüstung des Nachbarn und trägt Sanktionen der UN mit. Doch lehnt Russland jede gewaltsame Lösung des Konflikts ab und fordert Gespräche der USA mit Nordkorea. Auch stört sich die Führung in Moskau an dem US-Militär in Südkorea, das mit dem Ausbau seiner Raketenabwehr gegen Nordkorea die russische strategische Position schwächt. Auf die brutale Diktatur Nordkoreas wirkt Moskau nicht ein.