Ungeachtet aller bisheriger Sanktionen, die der UN-Sicherheitsrat in den letzten Monaten beschlossen hat, lässt sich Nordkorea auch im Jahre 2017 nicht von seinem Streben nach Nuklearwaffen abbringen. Im Gegenteil: Die sehr scharfe Rhetorik von US-Präsident Donald Trump, zuletzt vor der UN-Generalversammlung, hat eher dazu geführt, dass Nordkorea seine Bemühungen um die Atombombe noch intensiviert.

Wenn es aber darum geht, dem diktatorischen Regime in Nordkorea Einhalt zu gebieten, wird in unserer westlichen Wahrnehmung – sei es in den USA oder in Europa – meist mit dem Finger auf China gezeigt. Dies wird in der Regel zuvorderst damit begründet, dass China der einzig verbliebene Verbündete Nordkoreas sei und durch einen möglichen Stopp seiner Öllieferungen an den Nachbarn noch einen echten Hebel gegen die Kim-Diktatur habe.

Wenngleich auch Staaten wie Russland oder Südkorea ebenfalls nach wie vor Öl nach Nordkorea exportieren, ist es nicht abwegig, China eine Mitschuld an der seit langem ungelösten Situation um nordkoreanische Atomwaffen zuzuschreiben. Vor allem durch Pekings fortwährend kommunizierte Ankündigung, dass man nichts zulassen werde, was zu einem Zusammenbruch des nordkoreanischen Regimes führe, hat man den Kims – nicht einmal absichtlich – quasi einen Freifahrtschein zur Entwicklung nuklearer Waffen ausgestellt. Zudem halten sich die chinesischen Regionen, die unmittelbar an Nordkorea grenzen, im Zweifel nicht an die Umsetzung der ausgehandelten UN-Sanktionen, da der Handel mit Nordkorea für Chinas wirtschaftlich angeschlagenen Nordosten weiterhin eine lukrative Einnahmequelle ist.

Japan hätte ein Problem mit einem Korea-Deal

Andererseits ist aber die Geschichte von der Verantwortung Chinas nur die halbe Wahrheit. Dazu gehört es, zweierlei zu verstehen. Zum einen ist China bekanntlich nicht daran gelegen, dass es in Nordkorea zu einem Regimekollaps kommt, denn dann gäbe es keinen Pufferstaat mehr zwischen ihm und dem mit den USA alliierten Südkorea. Zum anderen könnte Washington Chinas Bedenken gegenüber einer härteren Gangart Richtung Kim-Regime zerstreuen, was in der westlichen Debatte bis dato aber wenig Beachtung findet.

Unter bestimmten Bedingungen ist es durchaus möglich, China zu einem Umdenken zu bewegen. Dafür spricht zum Beispiel, dass man in China – sei es in der Partei, der Regierung oder in der Bevölkerung – mittlerweile weit davon entfernt ist, das Gebaren Kim Jong Uns gutzuheißen. Vielmehr ist die Stimmung gegenüber Nordkorea in China, wenngleich auch nicht einheitlich, seit geraumer Zeit am Kippen. Nordkorea wird zusehends als Ballast wahrgenommen, der die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel bedroht und Chinas internationalem Ansehen schadet.

Dennoch wiegt das chinesische Sicherheitsinteresse gegenüber den USA bislang schwerer. Damit dies nicht so bleibt, müssten die USA Peking gegenüber gewisse Garantien aussprechen. Anders ausgedrückt: Wenn die USA wollen, dass China den gewünschten Druck auf Nordkorea ausübt und ein mögliches Ende des dortigen Regimes in Kauf nimmt, muss Washington gleichzeitig dafür Sorge tragen, dass auf der anschließend neu zu ordnenden koreanischen Halbinsel ein neutraler Akteur entsteht. Sprich, ein dann wahrscheinlich wiedervereinigtes demokratisches Korea könnte nicht länger Allianzpartner der USA sein und amerikanische Truppen und Waffensysteme nicht länger in Korea stationiert bleiben.

Mit Südkorea ließe sich eine solche Vereinbarung wahrscheinlich treffen, da die Wiedervereinigung dort immer noch ein herausragendes Ziel ist und man sich von China bisher nicht sonderlich bedroht fühlt. Schwieriger wäre ein solcher Deal Japan zu vermitteln, das sich dann noch stärker chinesischer Aufrüstung ausgesetzt sähe.