Donald Trump macht mitunter öffentlich, was wohl besser im Weißen Haus geblieben wäre. Angesichts der Macht seines Amtes ist das nicht selten fahrlässig, besonders im Fall Nordkorea. US-Außenminister Rex Tillerson, der gerade betonte, im Atomstreit auch diplomatische Kanäle zu nutzen, wurde vom Präsidenten per Twitter beschieden, Verhandeln sei Zeitverschwendung. Damit vermittelte Trump gleich zwei mögliche Botschaften: Der US-Außenminister habe keine Ahnung – und dass militärische Lösungen diplomatischen vorzuziehen seien.

Oder zuvor im September, als der nordkoreanische Außenminister in New York verkündete, es gebe eine Kriegserklärung der USA an Nordkorea. Eine offensichtlich furchterregende Nachricht – die auf eine ohnehin bereits angespannte Öffentlichkeit traf, hatte US-Präsident Trump doch kurz zuvor bei den Vereinten Nationen die komplette Zerstörung Nordkoreas angedroht. Mit Blick auf die Vergangenheit wäre die Sache die ganze Aufregung wohl nicht wert gewesen: Seit 1997 haben die Nordkoreaner schließlich mehr als 200-mal behauptet, dass Amerika ihnen den Krieg erklärt habe.

Doch diesmal ist es anders: Nordkorea hat zur Probe erfolgreich zwei Langstreckenraketen abgefeuert, und es besteht die Möglichkeit, dass diese auch das Festland der USA erreichen können. Außerdem wurde eine Wasserstoffbombe mit vermutlich einer vielfachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe getestet. Auf die immer schon apokalyptischen Drohungen der Nordkoreaner gegen Amerika reagiert der oft unkontrolliert dahertwitternde Trump mit persönlichen Beschimpfungen gegen Diktator Kim Jong Un. Und aus Pjöngjang pöbelt dieser ordentlich zurück.

Trumps Sicherheitsberater hatten ihrem Chef zwar dringend abgeraten, sich auf eine persönliche Ebene einzulassen, doch der US-Präsident schert sich oft nicht um Expertenmeinungen. Seine launische Rhetorik steht dabei in keinem Verhältnis zu den hochgefährlichen Bomben und Raketen, um die es ja geht. Was Trump auch nicht interessiert, ist, dass die koreanische Halbinsel ohnehin ein extremes Spannungsgebiet ist und zu den am meisten militarisierten Zonen der Welt gehört.

Tausende Landminen

Nirgendwo auf der Welt stehen sich so viele Soldaten auf engstem Raum gegenüber wie in der Region um die Waffenstillstandslinie, die seit dem Ende des Koreakrieges 1953 den isolierten Norden vom US-Verbündeten Südkorea trennt. Zudem ist diese innerkoreanische Grenze stark vermint. Experten gehen davon aus, dass in dem Gebiet Abertausende Landminen liegen – es ist damit der stärkste und bedrohlichste Minenteppich der Welt.

Nordkorea:  Abschussorte für Raketen  Nuklearforschungsanlage  Atomtestgelände Südkorea:  US-Militärstützpunkte  THAAD-Raketenabwehr

Der andauernde Konflikt zwischen den beiden Koreas betrifft mehr als nur diese Staaten. Während China in den vergangenen Jahrzehnten als Schutzmacht des Nordens auftrat und erhebliche Militärhilfe leistete, setzt der Süden auf die USA. Die unterhalten große Stützpunkte in dem Land und haben Tausende Soldaten dort und in Militärbasen in der Region stationiert. Ein nordkoreanischer Angriff auf Südkorea würde zwingend auch amerikanische Soldaten treffen. Eine Internationalisierung des Konflikts stünde bei einem Gewaltausbruch bereits vor Kriegsbeginn fest.

Seit Jahren drohen die Vereinigten Staaten dem Regime in Pjöngjang einen heftigen Gegenschlag an, sollte es zu einem Angriff auf Südkorea kommen. Die US-Regierung hat bereits 1994 und 2002 für den Fall öffentlich über einen Einsatz von Atomwaffen gegen Nordkorea spekuliert.

Im Fall eines Kriegs zwischen Nord und Süd dürften aufseiten der Amerikaner auch Japan und vermutlich ebenso Australien und vielleicht sogar Taiwan direkt und indirekt in das Geschehen eingreifen.

US-Stützpunkte in Südkorea, Japan und im westlichen Pazifik:
 Luftwaffe  Marine

In Japan unterhält das US-Militär mehr als 100 Basen mit 39.345 US-Soldaten. Die Siebte Flotte hat dort ihre Heimathäfen mit 50 bis 70 Schiffen und U-Booten. 140 Flugzeuge stehen für Einsätze bereit, darunter sind Bomber, die Atomwaffen tragen können. In Südkorea sind 34.805 US-Soldaten stationiert, die mit mehr als 300 Panzern ausgerüstet sind. Auf Guam dienen 3.831 Soldaten. Die Insel beherbergt die Andersen Air Force Base, auf der B52-Bomber und Kampfjets einsatzbereit sind.

Direkt betroffen wäre außer Südkorea noch China. Einst ein kommunistischer Bruderstaat der Koreaner, ist China inzwischen eine kapitalistische Parteidiktatur, die nur noch wenig mit Nordkorea gemein hat. 1961 schloss China noch unter Mao Zedong einen Beistandspakt mit Kim Il Sung, dem Großvater des aktuellen Diktators.

Die Militärdoktrin Südkoreas bestimmt der Norden

Spätestens seitdem unterstützt China das Regime in Pjöngjang, auch um die US-Amerikaner in Südkorea von der chinesischen Grenze fernzuhalten. Das hat dazu beigetragen, dass die Nordkoreaner ungestört Massenvernichtungswaffen bauen konnten. Die über ein halbes Jahrhundert herrschende Familiendiktatur ist seit dem Koreakrieg, als nach dem Angriff des Nordens auf den Süden US-Luftangriffe große Teile des Nordens verwüsteten, stark auf seinen Erzfeind Amerika fixiert. Man kann davon ausgehen, dass es bis heute Staatsziel Nordkoreas ist, sein Regime auf die ganze Halbinsel auszudehnen.

Gleichzeitig will das Regime sich mit den Atomwaffen auch von China unabhängig machen. In Peking ist Kim Jong Un extrem unbeliebt, die ständigen Raketen- und Atomtestes sind eine Brüskierung des großen Nachbarn, Staatschef Xi Jinping soll sehr unfreundlich über ihn sprechen. So haben die Regierungen in Peking und Washington heute gemeinsam, dass sie lieber ein Ostasien ohne den Unruhestifter Kim Jong Un hätten.

Den Beistandspakt mit den Kims will Peking heute auflösen, sagt die China-Kennerin Bonnie Glaser vom US-Center for Strategic and International Studies, doch die Nordkoreaner wollen das nicht. Für den Fall, dass der Norden den Süden überfällt oder die USA beschießt, gäbe es von chinesischer Seite aber auch keine Veranlassung, Pjöngjang als Aggressor zu helfen. 

Einem hypothetischen Angriff auf den Norden hingegen dürfte China kaum tatenlos zusehen. Selbst wenn das Riesenreich nicht direkt in einen Krieg gegen die USA eintreten sollte, dürften Waffenlieferungen an Nordkorea und das Entsenden angeblicher Freiwilliger an das Regime im Norden eine direkte Folge sein. In Peking will man vor allem die Grenzregion stabil halten. Mit der zunehmenden Aufrüstung Nordkoreas wurde auch die Grenzsicherung auf chinesischer Seite seit 2013 massiv verstärkt. Zudem kontrollieren Drohnen und ein 24/7-Überwachungssystem den Grenzfluss Yalu.

Fraglich bleibt, wie Russland sich verhalten würde. Moskau steht traditionell dem Regime in Pjöngjang nahe. Die Regierung Putin arbeitet im Militärbereich mit Nordkorea zusammen. Viele Waffensysteme der nordkoreanischen Armee sind sowjetischen Ursprungs.

Südkoreas Streitkräfte sind sehr groß

Auch ohne die zuletzt in Nordkorea gezündete Wasserstoffbombe bleibt das geteilte Korea also ein Hochrisikogebiet für den globalen Frieden. Im Globalen Militarisierungsindex des Bonner Instituts für Konversion (BICC) liegt Südkorea auf Platz sechs weltweit. Der Index stellt unter anderem die Ausgaben für Streitkräfte und Rüstung gegen die Größe der Bevölkerung sowie die Kosten des Gesundheitssystems und bildet so die Bedeutung des Militärapparats eines Staates im Verhältnis zur Gesellschaft ab.

Nordkorea würde hierbei wohl ebenfalls Spitzenwerte erreichen. Aus Mangel an verlässlichen Daten listet das BICC den Staat aber nicht auf – rechnet dort aber ebenfalls mit einem hohen Militarisierungsgrad. Nordkoreas Atomwaffentests führen jedenfalls dazu, dass in Seoul kontinuierlich aufgerüstet und die Armee modernisiert wird.

Südkorea verfügt über gut 660.000 Soldaten und Mitglieder paramilitärischer Einheiten und damit über sehr große Streitkräfte. Auf je 1.000 Einwohner kommen 13,1 Militärangehörige, der Anteil der Ärzte beträgt dagegen gerade zwei. Nicht mitgezählt sind hierbei die rund 4,5 Millionen Reservisten, die im Konfliktfall einberufen werden können. In Südkorea herrscht Wehrpflicht mit einer langen Dienstzeit von bis zu 30 Monaten.

Die Militärdoktrin Südkoreas bestimmt der Konflikt mit dem Nachbarn: Die Landstreitkräfte stellen sich auf einen konventionellen Krieg gegen Nordkorea ein. Deswegen unterhält das Heer viele Panzer, Artilleriesysteme und Kampfhubschrauber. Zudem hat man einen eigenen modernen Kampfpanzer entwickelt, in dem viel deutsche Technik steckt, unter anderem die Motoren. Mit Panzern gegen Nordkorea vorzurücken, dürfte für Südkoreas Generäle aber schwierig werden. Die zahlreichen Anti-Fahrzeug-Minen, ein ausgeklügeltes Tunnelsystem und die zahlenmäßig sehr starke nordkoreanische Artillerie bergen große Risiken. In einem Konflikt zwischen Nord und Süd dürften Panzerschlachten so keine Rolle spielen.

Deutschland liefert einen High-Tech-Penetrator

Auch deswegen hat die Marine Südkoreas rund 50 Landungsschiffe, mit denen amphibische Angriffe auf den verfeindeten Bruderstaat möglich sein sollen, um Minenteppiche und Abwehrsysteme zu umgehen. U-Boote, auch von deutschen Rüstungskonzernen, und moderne Kampfschiffe ergänzen die Flotte. Südkorea plant einen weiteren Ausbau, will einen Flugzeugträger und mehr U-Boote kaufen.

Aufgerüstet wird vor allem mit Unterstützung des wichtigsten Verbündeten: Die meisten Waffensysteme stammen aus den USA, auch andere westliche Länder wie Deutschland liefern regelmäßig Rüstungstechnik an den Süden. Zum Beispiel hochmoderne Marschflugkörper vom Typ Taurus, die auf Wunsch der Südkoreaner mit dem speziellen Gefechtskopf Mephisto ausgerüstet sind. Vor zwei Jahren begann die Auslieferung, Experten gehen von bis zu 180 bestellten Raketen aus.

Mit Mephisto, einem sogenannten High-Tech-Penetrator, wollen die südkoreanischen Militärs im Kriegsfall nordkoreanische Bunker knacken. Das Geschoss soll durch verschiedene Schichten dringen und bis zu vier Meter dicke Wände durchbrechen können. Allerdings vermuten einige westliche Militärexperten, dass die Nordkoreaner wichtige Militäranlagen, Atomlabore und Rüstungsfabriken so tief in harten Fels getrieben haben, dass diese mit konventionellen Waffen nicht erreichbar sind.

Da Nordkoreas Luftwaffe nicht sehr bedrohlich wirkt, hat auch Südkorea zuletzt weniger in diese Teilstreitkraft investiert. Die veraltete Luftwaffe wird jetzt mit F-15K-Kampfjets aus den USA und dem Tarnkappenjet F-35 Joint Strike Fighter modernisiert (das neuste und teuerste Modell auf den Markt, das die USA zusammen mit Partnern entwickelt haben). Zusätzlich zu den neuen Maschinen kauft Seoul weitere Kampfhubschrauber, Luftabwehrraketen und Luftraumüberwachungsflugzeuge sowie Langstreckendrohnen vom Typ Global Hawk aus den USA.

2002 und 2009 gab es bereits Seegefechte

Die meisten dieser Neuanschaffungen dürften sich aber eher gegen einen möglichen chinesischen Angriff richten als gegen die Truppen Kim Jong Uns. Lediglich die Abwehrsysteme sollen helfen, der Gefahr der nordkoreanischen Raketen zu begegnen. Neben den älteren Patriot-Systemen setzt Südkorea dazu auf Abwehrraketen vom Typ Terminal High Altitude Area Defense (THAAD). Im April 2017 begannen die USA damit, das System in Südkorea aufzubauen. Damit sollen feindliche Kurz- und Mittelstreckenraketen in bis zu 150 Kilometern Höhe zerstört werden.

Da Nordkorea viele seiner Raketen, die auf solche Entfernungen ausgelegt sind, in Grenznähe stationiert hat, dürfte es im Fall der Fälle aber nur gelingen, wenige Geschosse abzuwehren. Artilleriegranaten lassen sich damit ohnehin nicht aufhalten.

Im maritimen Bereich dürfte ein Patt zwischen beiden Staaten herrschen. Die südkoreanischen Seestreitkräfte werden zwar qualitativ überlegen sein, aber Nordkorea setzt auch hier auf Masse und macht den höheren Modernisierungstand des Nachbarn mit Quantität wett. Zuletzt im Sommer 2002 und 2009 kam es bereits zu Schusswechseln zwischen der nord- und der südkoreanischen Marine an der Seegrenze.

Nordkorea besitzt zahlreiche Raketen unterschiedlicher Reichweite. Den USA, Japan und Südkorea macht vor allem die Hwasong-14 Sorgen. Die Rakete soll eine interkontinentale Reichweite von 6.700 Kilometern haben. Ihre Vorgänger, die deutlich stabiler sein dürften, weil sie mit zahlreichen Tests optimiert wurden, können Ziele in bis zu 4.000 Kilometern Entfernung erreichen. Raketen vom Typ Pukguksong-2 müssen vor allem Staaten in Asien fürchten. Sie kann Gegnern in bis zu 3.000 Kilometern Entfernung Schaden zufügen. Die Pukguksong-2 ist schwer abzuschießen, weil sie von mobilen Rampen aus abgefeuert wird und damit schwer zu orten ist.

Theoretische Reichweiten nordkoreanischer Raketensysteme, geschätzt und hochgerechnet

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Kim Jong Uns Streitkräfte versuchen bereits, Mittelstreckenraketen von Schiffen abzufeuern. Das Ziel ist, Interkontinentalraketen von Unterseebooten aus einsetzen zu können. Bis dies gelingt, dürfte es aber noch einige Jahre dauern. Zunächst lässt das Regime neue U-Boote entwickeln.

Die Größe der nordkoreanischen Streitkräfte und die Zahl der schweren Waffensysteme nennt das Regime nicht. Bei einer Einwohnerzahl von 25 Millionen Menschen sollen mehr als 1,2 Millionen Soldaten in den Streitkräften dienen. Damit wäre die Armee eine der größten der Welt. Wie leistungsfähig die Landstreitkräfte sind, ist umstritten. Zuletzt drangen Berichte aus dem isolierten Land, dass auch Soldaten Hunger leiden müssten und schlecht versorgt würden.

Wenn Nordkorea zuammenbricht, kommen China und die USA

Besser dürfte es den Spezialeinheiten gehen. Ihre Stärke soll rund 200.000 Mann umfassen. Mit rund 3.500 Kampfpanzern und 2.500 gepanzerten Transportfahrzeugen sind Nordkoreas Streitkräfte quantitativ gut aufgestellt. Mit 21.000 Geschützen stellen sie sogar die größte Artillerietruppe in Asien. In den vergangenen Jahren haben mehrfach Artillerieeinheiten aus dem Norden in den Süden gefeuert. Auch mit ihren 80 Kampfhubschraubern übertrifft die nordkoreanische Armee die des Südens.

Die USA, die Schutzmacht des Südens, haben für den Pazifikraum fünf Flugzeugträgerkampfgruppen aufgestellt. Ihnen voran steht jeweils ein Träger, der gut 85 Flugzeuge und mehr als 5.700 Soldaten an Bord hat. Momentan deckt die USS Carl Vinson den Raum vor Nordkorea ab. Zu ihrem Verband gehören zwei Jagd-U-Boote, bis zu drei Zerstörer, zwei Kreuzer sowie ein Versorgungsschiff. Der Verband ist mit BGM-109-Tomahawk-Marschflugkörpern bewaffnet, der Ziele in bis zu 2.500 Kilometern Entfernung bekämpfen kann, auch von U-Booten könnten dann Raketen auf Ziele in Nordkorea gefeuert werden. Dieser Flugkörper lässt sich sogar mit einem kleinen Nuklearsprengkopf bestücken.

Ein Krieg zwischen Nord- und Südkorea begänne vermutlich mit dem beidseitigen Beschuss mit Artillerie und Raketen. Auch die USA dürften, sofern sie in den Konflikt eingreifen, zunächst Cruise Missiles auf Nordkorea abfeuern. Diese Rakete würde dann hauptsächlich von Lenkwaffen-Zerstörern und anderen Kriegsschiffen abgeschossen. Zu einem solchen Angriff dürften die USA einen Flugzeugträgerverband näher an das Einsatzgebiet heranziehen.

Tief liegende Bunkeranlagen sind kaum zu erreichen

Der Beschuss mit Cruise Missiles dient vor allem dazu, die gegnerische Luftabwehr auszuschalten. Danach können spezielle Kampfjets aufsteigen, die zum Zerstören des feindlichen Radars entwickelt wurden. Wenn dies geschehen ist, wären die Nordkoreaner quasi blind und hätten einem Flächenbombardement durch B52- und B2-Bomber der Amerikaner nichts mehr entgegenzusetzen.

Nicht zerstört würden dabei aber tief liegende Bunkeranlagen. In solchen Festungen könnten die nordkoreanischen Streitkräfte versuchen, mit Nuklearsprengköpfen versehene Mittelstreckenraketen zu lagern. Mit diesen Waffen würden sie dann nicht nur Südkorea attackieren können, sondern auch Japan und amerikanische Militärbasen im Pazifikraum. Ob Nordkorea einsatzbereite Langstreckenraketen hat, die eine atomare Last mit verheerender Wirkung an die amerikanische Westküste tragen könnten, ist unklar.

Aufhalten ließen sich die Raketen wohl nicht. Militärexperte Joe Ciricione geht davon aus, dass die Abwehrsysteme in Südkorea und Japan damit überfordert wären. Bei den jüngsten Tests flogen die Raketen zu hoch, um von Patriot- oder THAAD-Systemen erreicht werden zu können und auch die Aegis-Zerstörer der USA, die ebenfalls zur Abwehr von Flugkörpern ausgelegt sind, hätten damit laut Ciricione Probleme.

US-Geheimdienste gehen inzwischen davon aus, dass Nordkoreas Techniker in der Lage sind, Atomsprengköpfe auf Raketenniveau zu verkleinern. Bis zu 60 Atombomben soll es in Nordkorea geben. Dazu verfügt das Militär laut dem Verteidigungsweißbuch Südkoreas über einen Vorrat von 2.500 bis 5.000 Tonnen an chemischen Massenvernichtungswaffen. Auch das Wissen über die Herstellung von Biowaffen wie Anthrax und Pocken ist demnach in Pjöngjang vorhanden. Für China ist sehr bedenklich, dass die meisten der nordkoreanischen Militäranlagen, inklusive dem Atomkraftwerk Yongbyon, näher an China als an Südkorea liegen.

Falls das Regime der Kims daher wirklich einmal zusammenzubrechen beginnt, geht man beim US-Thinktank Rand Corporation davon aus, dass dann sowohl die USA als auch China Soldaten schicken würden, um die Massenvernichtungswaffen im Norden zu sichern. Dann würden Truppen beider Staaten dort aufeinandertreffen.