Nach dem erneuten nordkoreanischen Raketentest halten sich die USA die Option eines militärischen Eingreifens offen. "Es gibt die militärische Option", sagte der nationale Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster in Washington. Diese Option werde aber nicht bevorzugt. Der UN-Sicherheitsrat, der gerade erst verschärfte Sanktionen beschlossen hatte, verurteilte den Test als "Provokation", einigte sich in seiner Dringlichkeitssitzung aber vorerst auf keine weiteren Schritte. 

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un habe den neuen Test persönlich befohlen und aus dem Kommandozentrum verfolgt, berichtete die nordkoreanische Staatsagentur KCNA. Mit der Übung sollte "die Kriegslüsternheit der USA" gedämpft werden, hieß es. Ziel sei ein "Gleichgewicht der Kräfte" Nordkoreas und der USA, um der US-Führung die militärische Option zu nehmen. Anschließend lobte Kim die Wissenschaftler und Militärs seines Landes. "Wir müssen den Großmacht-Chauvinisten zeigen, wie unser Staat sein Ziel des Ausbaus der Atomstreitkräfte trotz endloser Sanktionen und Blockaden erreicht", wurde er von KCNA zitiert. Mehrere Staatsmedien berichteten, er halte trotz der Sanktionen am Nuklearwaffenprogramm fest.

USA sehen "Ende der Möglichkeiten"

Die USA näherten sich im Bereich von Sanktionen und Diplomatie dem Ende der Möglichkeiten, warnte McMaster im Weißen Haus: "Dies ist keine Angelegenheit zwischen den USA und Nordkorea, es ist eine Angelegenheit für die ganze Welt." Internationaler Druck und Sanktionen hatten in der Krise bisher keinen Erfolg, Nordkorea setzte sein Atomprogramm und seine Tests entgegen allen Warnungen fort.

Auch die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, die ein Ölembargo gegen Nordkorea hatte durchsetzen wollen, sprach von der Möglichkeit eines militärischen Eingriffs. "Ich denke, er hat eine ganze Reihe Optionen", sagte Haley mit Blick auf US-Verteidigungsminister James Mattis, dem sie das Problem bei einer Eskalation der Krise übergeben wolle. Durch Sanktionen sei Nordkorea schon jetzt "wirtschaftlich stranguliert".

Donald Trumps Sprecherin sagte, der US-Präsident werde vor der UN-Vollversammlung deutlich machen, wie wichtig es sei, extremen Druck auf Nordkorea auszuüben. Zudem werde er bilateral mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping über das Thema sprechen. China ist Nordkoreas wichtigster Handelspartner.

Die zuletzt beschlossenen Strafmaßnahmen der UN sehen eine Deckelung der Öllieferungen an das Land und ein Verbot von Textilexporten vor. Japans UN-Botschafter Koro Bessho sprach in New York von einer "ernsten Bedrohung für unsere eigene Sicherheit" sowie einer "wirklichen Gefahr für den Frieden und die Sicherheit der ganzen Welt". Er mahnte, die Sanktionen müssten sofort vollständig umgesetzt werden. "Härte ist heute unser bestes Mittel gegen das Risiko des Krieges und das Risiko der Konfrontation, um morgen eine politische Lösung voranzubringen", sagte Frankreichs UN-Botschafter François Delattre vor der Sitzung.

Sicherheitsrat beschließt keine weiteren Sanktionen

Abgesehen von einem Statement, in dem der Raketentest verurteilt wurde, endete die Sitzung des UN-Sicherheitsrates ergebnislos. Das Wechselspiel von Provokationen Nordkoreas, Sanktionen und weiteren Provokationen sei ein "Teufelskreis", sagte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja. Man müsse "unkonventionell denken", um den Atomkonflikt beizulegen.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, der unter anderem zu politischen Gesprächen nach China reist, verurteilte den Test "auf das Schärfste". In Berlin sagte er: "Das Regime in Pjöngjang führt uns erneut vor Augen, dass es eine ernste Bedrohung für den Weltfrieden darstellt."

Allen Warnungen zum Trotz hatte Nordkorea wie schon vor drei Wochen eine Mittelstrecken über Japan hinweg in den Pazifik gefeuert. Wissenschaftler nannten deren Reichweite von 3.700 Kilometern bemerkenswert: Nordkorea habe damit demonstriert, dass es die US-Pazifikinsel Guam erreichen könne. Die Zielgenauigkeit des Geschosses sei aber noch schlecht. Nordkorea hatte vor kurzem mit einem Angriff auf das US-Territorium gedroht.