Nach einem Gespräch mit den Außenministern aus den USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien befürchtet die Bundesregierung ein Platzen des Atomabkommens mit dem Iran.  Man müsse "allergrößte Sorge" haben, dass das Abkommen zerstört werde, sagte Außenminister Sigmar Gabriel. Es habe bei dem Treffen eine klare Botschaft der USA gegeben, "dass sie nicht bereit sind, dieses Abkommen länger mitzutragen".

US-Außenminister Rex Tillerson erklärte nach dem Treffen, die US-Regierung habe "erhebliche Probleme" mit der Abmachung. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump verkündet, er habe eine Entscheidung zu der Vereinbarung getroffen. Allerdings wollte Trump noch nicht verraten, wie er sich entschieden habe.

Gleichzeitig bescheinigten alle Parteien inklusive der USA, dass sich der Iran an die getroffenen Vereinbarungen halte. Laut US-Außenminister werde das Abkommen aber der Erwartung nicht gerecht, eine ernsthafte Sicherheitsbedrohung in der Region aufzuheben. Gabriel sagte, die Amerikaner würden sich daran stören, dass sich die Politik des Iran in anderen Bereichen nicht geändert habe.

Das Abkommen über das iranische Atomprogramm war 2015 nach langen Verhandlungen zustande gekommen. Trump hatte die Vereinbarung wiederholt als "schlechten Deal" bezeichnet und bereits signalisiert, dass er sie aufgeben könnte. Der Iran verzichtete im Rahmen der Vereinbarung auf die Entwicklung von Nuklearwaffen, der Westen hob im Gegenzug Wirtschaftssanktionen auf.

Alle anderen UN-Vetomächte sowie Deutschland sehen in den ausgehandelten Beschränkungen des Nuklearprogramms dagegen eine wirkungsvolle Maßnahme zur rein zivilen Nutzung der Atomkraft. Die US-Regierung muss dem Kongress alle drei Monate mitteilen, ob der Iran die Bedingungen der Vereinbarung erfüllt. Die nächste Frist läuft am 15. Oktober ab.

Zuvor hatte Trump in seiner ersten Rede vor der UN-Vollversammlung das Atomabkommen am Dienstag als "Peinlichkeit" für die USA bezeichnet. Sein Vizepräsident Mike Pence erklärte vor dem UN-Sicherheitsrat, dass der Iran sich weiterhin über den Geist des Abkommens hinwegsetze.   

Der iranische Präsident Hassan Ruhani kritisierte Trumps Andeutungen. Am Mittwoch sagte er in einer Pressekonferenz, die Trump-Regierung suche nach einer Ausrede, aus dem Abkommen auszusteigen. Dann habe der Iran viele Optionen. Aber er versprach, das Land werde "niemals" Nuklearwaffen bauen. Änderungen in dem Vertrag, um die USA zur Einhaltung zu bewegen, lehnte er ab.