Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat den Kauf des russischen Raketenabwehrsystems S-400 verteidigt. An Kritiker aus den USA und weiteren Partnern des Nato-Militärbündnisses gerichtet, sagte Erdoğan: "Weil wir hier ein S-400-Abkommen abgeschlossen haben, sind sie wahnsinnig geworden." Die Türkei nehme ihre Verteidigung in die eigene Hand und ergreife in allen Sicherheitsfragen eigene Maßnahmen. Erdoğan kritisierte zudem eine mangelnde Bereitschaft westlicher Staaten, der Türkei Waffen zu liefern. "Amerika und Israel haben jahrelang regelrechte Haarspalterei betrieben, um uns keine Drohnen zu geben."

Die Türkei und Russland hatten am Dienstag den ersten großen Waffendeal zwischen den Ländern verkündet. Die Türkei kauft demnach das modernste russische Raketenabwehrsystem. Russland nutzt das mobile S-400-Raketensystem unter anderem zur Sicherung der Grenzen und zum Schutz der Truppen auf einem Luftwaffenstützpunkt in Syrien.

Aus der Türkei hieß es, die Verträge für den Kauf seien bereits unterschrieben und eine erste Anzahlung geleistet. Die Raketen sollen türkischen Medien zufolge 2018 geliefert werden, der Kaufpreis soll bei etwa 2,1 Milliarden Euro liegen. Die Regierungen hatten den Kauf seit November 2016 verhandelt.

Das US-Außenministerium hatte sich in einer Stellungnahme besorgt über den Aufkauf des S-400-Systems gezeigt. Eine Ministeriumssprecherin sagte, nach der Vereinbarung der Nato-Staaten müssten die jeweils eingesetzten Systeme zusammenarbeiten können. Diese Voraussetzung sei im Fall des S-400-Systems nicht gegeben. Dies sei besorgniserregend, da außer der Türkei kein anderer Nato-Staat die Raketen einsetze. Auch die Nato hatte am Dienstag auf mögliche Probleme verwiesen, wenn die Türkei als einziger Bündnispartner das Raketenabwehrsystem einsetzen wolle.

Merkel lehnt generellen Stopp für Rüstungsexporte in die Türkei ab

Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt unterdessen einen generellen Stopp der Rüstungsexporte in die Türkei ab. "Wir entscheiden von Fall zu Fall", sagte Merkel. Die CDU-Chefin verwies darauf, dass es sich bei der Türkei um einen Nato-Bündnispartner handele. Auch stehe man im gemeinsamen Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" und den islamistischen Terror. Schon jetzt, so Merkel, würden die Exporte viel restriktiver gehandhabt.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind seit Längerem belastet. Unter anderem sitzen mehrere deutsche Staatsbürger in türkischen Gefängnissen, da ihnen die Regierung in Ankara Terrorpropaganda vorwirft. Präsident Erdoğan rechnet aber offenbar damit, dass sich das angespannte Verhältnis zwischen den Ländern nach der Bundestagswahl entspannen wird. Der wichtigste Wirtschaftsberater Erdoğans, Cemil Ertem, sagte: "Ich erwarte eine Beruhigung im Verhältnis zu Deutschland nach dem 24. September." Auch die Beziehungen der Türkei zur Europäischen Union dürften ab dem ersten Quartal 2018 "rasch repariert werden".