Die indische Regierung will vor dem Obersten Gericht des Landes erreichen, dass Rohingya-Flüchtlinge als "Gefahr für die nationale Sicherheit" nach Myanmar abgeschoben werden dürfen. Indiens Innenminister Kiren Rijiju teilte dem Parlament mit, die Regierung habe "detaillierte Anweisungen zur Deportation illegaler Ausländer" erteilt, "einschließlich der Rohingya". Unterstützung erhält die hindu-nationalistische Regierung von Premierminister Narendra Modi laut Medienberichten von der Hindutva-Bewegung. Hindutva bezeichnet das radikale politische Konzept, aus Indien einen hinduistischen Gottesstaat zu machen.

Gegen die Abschiebepläne hatten Tausende Muslime in der Hauptstadt Neu-Delhi sowie im autonomen Bundesstaat Jammu und Kaschmir demonstriert. Jammu und Kaschmir liegt im Norden des Landes und ist der einzige Bundesstaat mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit. Rohingya-Vertreter haben gegen den Ausweisungsbeschluss Klage eingereicht.

Rohingya gelten als die am meisten verfolgte Minderheit der Welt. Viele von ihnen leben im Bundesstaat Rakhine in Myanmar. Dort haben sie aber keine politischen Rechte, leben in Armut und werden immer wieder Opfer schwerer Menschenrechtsverletzungen. Zuletzt war die Lage Ende August nach einem Angriff von Rohingya-Rebellen auf offizielle Grenzposten eskaliert. Dabei waren 32 Menschen getötet worden. Das Militär schlug daraufhin brutal zurück, Hunderte wurden getötet, Zehntausende befinden sich seither auf der Flucht in Grenzgebiete oder Nachbarländer. 

Internationale Hilfsorganisationen wie das Welternährungsprogramm und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz haben nach eigenen Angaben nur beschränkten Zugang zu Rakhine. Offiziell werden fortgesetzte militärische Aktionen vorgeschoben. Vertreter der Rohingya sprechen von einem Völkermord, die UN von einer "ethnischen Säuberung".

Neben Indien suchen viele Rohingya vor allem nach Schutz in Bangladesch. Dort spitzt sich die Situation ebenfalls zu. Nach aktuellen Schätzungen befinden sich etwa 390.000 Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch.