Die chinesische Regierung hat der Führung Myanmars Hilfe im Konflikt mit den Rohingya-Rebellen zugesichert. "Wir unterstützen die Bemühungen Myanmars bei der Wahrung von Frieden und Stabilität im Bundesstaat Rakhaing", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums. China hoffe, dass die Ordnung und das normale Leben dort so schnell wie möglich wiederhergestellt werden könnten.

Im Norden von Rakhaing, einem Gebiet im Südwesten Myanmars, waren vor zwei Wochen Kämpfe zwischen Rebellen der muslimischen Minderheit Rohingya und der Armee des Landes eskaliert. Nach jüngsten UN-Angaben sind mittlerweile etwa 370.000 Rohingya ins Nachbarland Bangladesch geflohen. Hunderte Menschen starben. Die Rebellen verkündeten am Montag einen einseitigen Waffenstillstand, um Hilfsorganisationen den Zugang nach Rakhaing zu ermöglichen.

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Das Internationale Rote Kreuz bereitet sich nach eigenen Angaben derzeit darauf vor, im Konfliktgebiet humanitäre Hilfe zu leisten. In der Region leben viele Menschen ohne Zugang zu Wasser und Nahrung, einige davon womöglich im Dschungel. Unter den notleidenden Zivilisten sind neben Rohingya auch Buddhisten und Hindus. 

Bislang hatte die Regierung Myanmars internationalen Hilfsorganisationen und den UN die Arbeit in Rakhaing untersagt. Ausländischen Diplomaten zufolge verdächtigt die Regierung die UN, vor Ort aufseiten der Rohingya zu stehen. Daher habe sie nun das Rote Kreuz um Hilfe gebeten.

Bangladesch will die Flüchtlinge umsiedeln

Nicht nur die Situation in Rakhaing ist dramatisch, auch in den Flüchtlingslagern in Bangladesch droht eine humanitäre Katastrophe. Täglich kommen Tausende Rohingya über die Grenze, die Lager sind überfüllt. Helfer berichten von Nahrungsknappheit, Verteilungskämpfen und mangelnden Schlafgelegenheiten. Das Innenministerium des Landes stellte knapp 810 Hektar große Grundstücke für eine vorübergehende Unterbringung der Flüchtlinge bereit.

Bangladeschs Regierung erwägt außerdem, die Menschen auf der bislang unbewohnten Insel Bhashan Char anzusiedeln. Doch die Pläne sind umstritten. Experten halten Bhashan Char für unbewohnbar. Ein Polizeibeamter der Region berichtete der Nachrichtenagentur AFP, die Insel werde infolge der Gezeiten ein bis zweimal pro Jahr überschwemmt. Ein UN-Vertreter warnte, jeder Versuch einer Zwangsumsiedlung wäre äußerst komplex und umstritten. Rohingya-Anführer lehnen die Maßnahme ab.

Die Premierministerin Bangladeschs, Scheich Hasina Wajed, besuchte ein Flüchtlingslager im Süden ihres Landes. Sie sicherte den Rohingya weiterhin Lebensmittel und Unterkünfte zu, forderte Myanmar aber auch dazu auf, die Flüchtlinge zurückzunehmen. Die internationale Gemeinschaft solle dafür Druck auf Myanmar ausüben.

Myanmars faktische Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wird seit Wochen international kritisiert. Über 400.000 Menschen forderten mit einer Onlinepetition, ihren Nobelpreis zurückzunehmen. Der UN-Menschenrechtskommissar Seid Raad al-Hussein sagte, die Situation in Myanmar scheine aus einem "Lehrbuch für ethnische Säuberungen" zu stammen. Er rief die Regierung dazu auf, die "brutale Militäroperation" zu beenden. Suu Kyi müsse die Verantwortung übernehmen und die "schwere und weit verbreitete Diskriminierung" der Rohingya einstellen.

Der Europäische Rohingya-Rat bezeichnete die Gewalt in Myanmar als "Völkermord". Das Militär habe die Absicht, die Rohingya zu vernichten, sagte der Vorsitzende des Rates, Hla Kyaw. Die Regierung habe den Rebellenangriff als Vorwand genutzt, um gegen die unterdrückte Minderheit vorzugehen. Zugleich kritisierte er UN und EU: "Die Vereinten Nationen und die Europäische Union haben Blut an ihren Händen, weil sie nichts Wirksames tun, um das Militär zu stoppen."

UN-Sicherheitsrat tagt zum Konflikt

Die Bundesregierung appellierte an die Führung des Landes, ihrer Verantwortung für alle Bevölkerungsgruppen gerecht zu werden. Ähnlich äußerten sich die USA. Das Weiße Haus sei "zutiefst besorgt" über die Krise, sagte Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders. In einer Mitteilung von ihr hieß es zudem, die "massive Vertreibung und Schikane" von Angehörigen der Rohingya und anderer Minderheiten zeigten, dass die Sicherheitskräfte Myanmars nicht die Zivilgesellschaft schützen. Sie müssten sich an das Gesetz halten und die Gewalt stoppen, forderte Huckabee Sanders. Irans Oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei forderte stärkeren politischen und wirtschaftlichen Druck auf Myanmar, damit es die Gewalt beende. Die Situation dort sei eine politische Katastrophe.

Der UN-Sicherheitsrat will sich Diplomaten zufolge am Mittwoch mit dem Thema befassen. Die Sitzung hinter verschlossenen Türen komme auf Antrag Großbritanniens und Schwedens zustande, sagte der britische UN-Botschafter Matthew Rycroft.

Geflüchtete Rohingya berichteten, dass ihre Häuser niedergebrannt und Familienangehörige erschossen worden seien. Die Rohingya sind staatenlos, seit das mehrheitlich buddhistische damalige Birma ihnen 1982 die Staatsbürgerschaft aberkannte. Sie gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Bereits 2012 machte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in einem 152-seitigen Bericht auf Hinweise zu ethnischer Säuberung aufmerksam. Damals hatten staatliche Sicherheitskräfte 125.000 Rohingya gewaltsam umgesiedelt. Zehntausenden Vertriebenen wurde der Zugang zu humanitärer Hilfe verweigert und eine Rückkehr in ihre Häuser unmöglich gemacht.