Durch die Kämpfe zwischen Armee und muslimischen Rohingya-Rebellen in Myanmar sind möglicherweise mehr als 1.000 Menschen gestorben. Das schätzt die UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte in Myanmar, Yanghee Lee. Die meisten Opfer seien Rohingya. Sollte die Einschätzung Lees stimmen, wäre die Zahl der Toten doppelt so hoch wie von der Regierung angegeben.

Das UN-Flüchtlingswerk meldete zudem, dass mittlerweile 270.000 Rohingya ins Nachbarland Bangladesch geflohen sind. Die Zahl war in den vergangenen Tagen stark angestiegen. Vor einer guten Woche waren es noch etwa 5.000 geflüchtete Rohingya gewesen.

Derweil nimmt die internationale Kritik an der faktischen Regierungschefin des Landes, Aung San Suu Kyi, zu. Die Politikerin ist Trägerin des Friedensnobelpreises.

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Mehr als 370.000 Menschen unterzeichneten eine Petition, Suu Kyi den Nobelpreis abzuerkennen. Sie habe nahezu nichts unternommen, um dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit in ihrem Land zu stoppen. Der Südafrikaner Desmond Tutu, ebenfalls Friedensnobelpreisträger, warf Suu Kyi Untätigkeit vor und sagte: "Meine liebe Schwester: Wenn Schweigen der politische Preis für deinen Aufstieg in das höchste Amt Myanmars ist, dann ist dieser Preis ganz klar zu hoch."

Suu Kyi wies die Kritik zurück. Sie basiere auf "Fehlinformationen", das Ausland diene mit seiner Unterstützung für die Rohingya den "Interessen von Terroristen".

Eine verfolgte Minderheit

In dem Land droht eine humanitäre Katastrophe. Menschenrechtsorganisationen berichten von Gewalt gegen Frauen und Kinder. Die Armee soll ganze Dörfer niederbrennen.

Die Rohingya gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit betrachten die Rohingya als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele von ihnen seit Generationen in Myanmar leben. Nach Angaben aus Regierungskreisen in Bangladesch wurden in Myanmar an einem Teil der Grenze Landminen platziert. Es wird vermutet, dass damit nach Bangladesch geflohene Rohingya an der Rückkehr gehindert werden sollen.

Rohingya - UN warnen vor humanitärer Katastrophe in Myanmar In Myanmar geht das Militär seit Wochen massiv gegen die muslimische Minderheit der Rohingya vor. Regierungschefin Aung San Suu Kyi sprach sich nun für den Schutz aller Menschen in ihrem Land aus. © Foto: Soe Zeya Tun / Reuters