Der UN-Sicherheitsrat hat die Regierung Myanmars dazu aufgerufen, "sofortige Schritte" zur Beendigung der Gewalt im dortigen Bundesstaat Rakhine zu ergreifen. In einer Erklärung zeigte sich das Gremium besorgt über den Einsatz von "übermäßiger Gewalt" bei der Militäroperation gegen die muslimische Rohingya-Minderheit. Alle 15 Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats unterstützten die Erklärung. Sie verlangen auch einen freien Zugang für humanitäre Hilfsorganisationen nach Rakhine.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres appellierte an die Regierung in Myanmar: Die Regierung müsse ihre Militärkampagne stoppen und die Prinzipien des Rechtsstaats aufrechterhalten. Er bekräftigte zudem den jüngsten Vorwurf von UN-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad Al Hussein. Dieser hatte die Angriffe der Armee als ein "Paradebeispiel für ethnische Säuberungen" bezeichnet. "Gibt es eine bessere Umschreibung, wenn ein Drittel der Bevölkerung der Rohingya aus dem Land fliehen muss?", sagte Guterres. Die humanitäre Situation sei katastrophal. "Menschen sterben und leiden in schrecklichen Zahlen und wir müssen das beenden."

Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch hatten zuvor die Haltung des UN-Sicherheitsrates kritisiert. "Es handelt sich offenbar um eine ethnische Säuberung in großem Umfang, und der UN-Sicherheitsrat ist nicht in der Lage, seine Türen zu öffnen und in die Kameras zu sprechen?", sagte der Vertreter von HRW bei den Vereinten Nationen, Louis Charbonneau. Eine erste UN-Sitzung zu Myanmar hatte am 30. August hinter verschlossenen Türen und ohne anschließende Erklärung stattgefunden.

Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi sagte ihre Reise zur UN-Vollversammlung in New York ab. Stattdessen will sie kommende Woche in einer Rede an die Nation zur Krise Stellung beziehen. Die Friedensnobelpreisträgerin steht international in der Kritik, weil sie zum Vorgehen der Armee gegen die Rohingya schweigt. Sie sprach stattdessen von einem "riesigen Eisberg an Fehlinformationen", der über die Situation im Umlauf sei.

Der Konflikt zwischen Rohingya-Rebellen und der Regierungsarmee im Bundesstaat Rakhine dauert seit Jahren an, Ende August war er neu entbrannt. Seitdem wurden bei Kämpfen Hunderte Menschen getötet. Nach jüngsten UN-Angaben flohen bereits rund 379.000 Rohingya nach Bangladesch. Das Nachbarland Myanmars errichtet derzeit ein neues Flüchtlingslager an der Grenze, um der Zahl an Flüchtlingen Herr zu werden. Die Regierung in Myanmar sagt, ihre Sicherheitskräfte würden lediglich gegen Rohingya-Aufständische vorgehen. Auch werde alles getan, um Zivilisten zu schützen.