Der bekannte Putin-Kritiker Alexej Nawalny ist von der Polizei in Moskau festgenommen worden. "Man hat mich im Eingang meines Hauses festgenommen. Sie bringen mich für 'Erläuterungen' irgendwohin", schrieb Nawalny auf Twitter. Ein Sprecher des Innenministeriums in Moskau bestätigte die Festnahme, ebenso Nawalnys Anwalt.

Vor seiner Festnahme wollte der 41-Jährige gerade nach Nischni Nowgorod aufbrechen, einer Stadt etwa 400 Kilometer östlich von Moskau. Dort sollte eine Protestaktion gegen die russische Regierung stattfinden, die Behörden hatten die Kundgebung jedoch nicht genehmigt.

Der Politiker und Antikorruptionsaktivist Nawalny war bereits mehrfach in diesem Jahr mit den Behörden in Konflikt geraten. Im März und im Juni hatte er landesweite Proteste gegen Korruption und die Regierung organisiert. Es waren die größten Proteste seit Jahren. Dabei wurden Hunderte Menschen vorübergehend festgenommen. Im Juli war Nawalny dann nach einer 25-tägigen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen worden. Er war wegen des Vorwurfs inhaftiert worden, nicht genehmigte Proteste gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin organisiert zu haben.

Zuvor hatte Nawalny unter anderem mit einem Video für Aufsehen gesorgt, in dem er korrupte Geschäftsbeziehungen von Premierminister Dmitri Medwedew aufzeigte. Das Video hatte zu zahlreichen Protesten in Russland geführt. Zehntausende Menschen demonstrierten in 100 Städten gegen Korruption. Nawalny wurde damals wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 15 Tagen Haft und einer Geldstrafe von 20.000 Rubel verurteilt.

Nawalny gilt als einer der prominentesten Regierungskritiker des Landes. Seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen im März 2018 hatte er bereits angekündigt. Die Wahlkommission erklärte aber im Juni, der Regierungskritiker könne wegen einer Verurteilung zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe wegen Veruntreuung nicht kandidieren. Kritiker im In- und Ausland halten die Verurteilung für politisch motiviert. Das Ministerkomitee des Europarats hatte Russland erst kürzlich aufgefordert, Nawalny eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl zu ermöglichen.