Der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdoğan haben sich für eine Deeskalationszone in der syrischen Provinz Idlib ausgesprochen. Beide Länder teilten zudem den Willen, zur politischen Einigung in Syrien beizutragen, sagte Erdoğan nach einem Treffen mit dem Kreml-Chef in Ankara. Putin lobte "unseren Freund, Präsident Erdoğan" dafür, dass er das Abkommen für eine Deeskalation möglich mache. Dadurch würden Bedingungen geschaffen, die den syrischen Flüchtlingen erlaube, zurückzukehren, so Putin.

"Die nötigen Verhältnisse, um den brudermöderischen Krieg in Syrien zu beenden, sind geschaffen worden", sagte Putin. Terroristen seien beseitigt worden und Syrer könnten in ihr "friedliches Leben" zurückkehren.

Während Russland seit September 2015 für Assad Luftangriffe fliegt, unterstützt die Türkei die Rebellen. Allerdings nahm Ankara im Dezember 2016 hin, dass die syrische Armee mit Unterstützung Russlands die Rebellenhochburg Aleppo zurückeroberte. Zusammen mit dem Iran vermittelten die Türkei und Russland seitdem mehrere örtliche Waffenruhen in sogenannten Deeskalationszonen.

Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen

Russland und die Türkei hatten im Juni 2016 einen Streit um den Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs an der türkisch-syrischen Grenze beigelegt. Seitdem näherten sich beide Länder wieder schrittweise aneinander an. Die Kritik aus Ankara an Syriens Machthaber Baschar al-Assad ist gleichzeitig leiser geworden.

Putin und Erdogan kündigten nach ihrem Gespräch am Donnerstagabend zudem an, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen ihren Ländern weiter auszubauen. Erdogan begrüßte, dass wieder russische Touristen in die Türkei reisen – nach Beginn der diplomatischen Krise im November 2015 waren kaum noch russische Urlauber in das Land gekommen.

Bei dem Treffen im Präsidentenpalast in Ankara ging es auch um einen umstrittenen Waffendeal: Das Nato-Land Türkei hat einen Vertrag zum Kauf von russischen Flugabwehrraketen vom Typ S-400 unterzeichnet. Der Gesamtwert des Vertrags soll 1,7 Milliarden Euro betragen. Viele Nato-Mitglieder befürchten, dass der Deal eine Hinwendung der Türkei nach Russland signalisiert. Erdogan sagte, die Lieferung der ersten Raketen werde voraussichtlich erst in zwei Jahren erfolgen.

Zurückhaltend zeigte sich der russische Staatschef, als es um das Referendum der Kurden im Nordirak für die Unabhängigket von Bagdad ging. Erdogan verurteilte die Volksabstimmung erneut als "illegitim". Putin sagte lediglich, beide hätten das Thema "detailliert" besprochen. Die russische Position sei in einer Erklärung des Außenministeriums dargelegt worden. Moskau hatte darin erklärt, es betrachte das "nationale Streben der Kurden mit Respekt", auch wenn es die territoriale Integrität des Irak unterstütze.