Der taiwanische Aktivist Lee Ming Cheh hat sich vor einem chinesischen Gericht der "Untergrabung der Staatsmacht" schuldig bekannt. "Ich plädiere auf schuldig und bereue meine Tat", sagte Lee. Er habe Artikel veröffentlicht und an Aktivitäten in der südchinesischen Stadt Guangzhou teilgenommen, mit der die Partei, die Regierung und das politische System Chinas "bösartig angegriffen und verunglimpft" worden seien.

Lee ist der erste taiwanische Aktivist, der in China vor Gericht steht. Er war im März auf einer Reise in die chinesische Provinz Hunan verschwunden. Später teilten die chinesischen Behörden mit, dass gegen ihn wegen des Verdachts der "staatsgefährdenden Aktivitäten" ermittelt werde. Lee hatte seitdem keinen Kontakt zur Außenwelt. Anfragen der taiwanischen Behörden zu den genauen Vorwürfen blieben unbeantwortet. Laut Amnesty International unterstützte Lee jahrelang zivilgesellschaftliche Organisationen und Aktivisten in China. Wann mit dem Urteil zu rechnen ist, ist unklar.

Videoaufnahmen aus einem Gerichtssaal in der Provinzstadt Yueyang zeigen, dass Lee, ebenso wie sein chinesischer Mitangeklagter Peng Yuhua, bei dem Geständnis nervös wirkte. Laut Menschenrechtlern wurde das Geständnis erzwungen. Ein China-Experte von Amnesty International sprach von einem "Schauprozess". Lee und sein Mitangeklagter hätten dieselben Begriffe benutzt, die auch die chinesische Regierung verwendet.

Seit dem Amtsantritt von Taiwans Präsidentin Tsai Ing Wen im vergangenen Jahr haben sich die Beziehungen zwischen China und Taiwan deutlich verschlechtert. Tsai ist eine Verfechterin der Unabhängigkeit ihres Landes, China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz. Taiwan hatte sich 1949 für unabhängig erklärt.