Nach der Freilassung seiner Frau ist nun offenbar auch der im südtürkischen Antalya festgenommene Deutsche aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Er dürfe das Land jedoch vorerst nicht verlassen, meldete die türkische Nachrichtenagentur DHA.

Das deutsche Ehepaar mit türkischen Wurzeln war vergangene Woche am Flughafen von Antalya festgenommen worden. Die Frau war vier Tage später ohne Auflagen auf freien Fuß gesetzt worden, wie ihr Anwalt dem Auswärtigen Amt mitteilte. Den beiden werden Verbindungen zur islamischen Gülen-Bewegung vorgeworfen, die von der türkischen Regierung für den Putschversuch am 15. Juli 2016 verantwortlich gemacht wird.

Die Inhaftierung einer zunehmenden Zahl von Bundesbürgern in der Türkei hat zu einer schweren Krise in den Beziehungen zwischen den Regierungen in Berlin und Ankara geführt. Unter anderem sitzen der Welt-Korrespondent Deniz Yücel und der Menschenrechtler Peter Steudtner ohne Anklage in der Türkei in Untersuchungshaft. Nach der Festnahme des Ehepaares in der vergangenen Woche hatte das Auswärtige Amt seine Reisehinweise für die Türkei erweitert. Es warnt Türkei-Touristen nun vor willkürlichen Festnahmen auch in Urlaubsgebieten.

Der Linken geht das nicht weit genug. Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Sigmar Gabriel gefährdeten mit ihrer Politik gegenüber Ankara die Sicherheit der Bürger, hatte Sevim Dağdelen, Sprecherin der Linksfraktion für Internationale Beziehungen, kritisiert. Angesichts der Gefährdungslage müsse das Auswärtige Amt unverzüglich eine offizielle Reisewarnung für die Türkei herausgeben. "Das Zaudern der Bundesregierung hat in der Vergangenheit und wird auch in der Zukunft den Geiselnehmer Erdoğan nicht beeindrucken."

Merkel und ihr SPD-Herausforderer Martin Schulz haben sich beide für ein Ende der EU-Beitrittsverhandlungen ausgesprochen, zuletzt am Sonntag beim TV-Duell zur Bundestagswahl. Daraufhin rückte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan sie in die Nähe von Nazis