Das türkische Außenministerium warnt die Bürger seines Landes vor Reisen nach Deutschland. Türkische Bürger, die in Deutschland leben oder planen, dorthin zu reisen, "sollten vorsichtig sein und umsichtig handeln im Falle möglicher fremdenfeindlicher oder rassistischer Zwischenfälle, Verhaltensweisen oder verbaler Attacken", heißt es in einer Erklärung des Ministeriums. Sie trägt den Titel "Reisewarnung bezüglich der Bundesrepublik Deutschland".

Darin rät das Ministerium außerdem dazu, sich nicht auf politische Debatten einzulassen. Auch ruft das Ministerium dazu auf, "sich von Wahlkampfveranstaltungen politischer Parteien und von Plätzen fernzuhalten", wo Kundgebungen oder Demonstrationen stattfinden, die von "Terrororganisationen" organisiert oder unterstützt und von den deutschen Behörden geduldet würden.

Die politische Atmosphäre in Deutschland sei beeinflusst von rechtsradikaler und rassistischer Rhetorik, heißt es in der Erklärung weiter. "Die Wahlkampfkampagnen in Deutschland fußen auf gegen die Türkei gerichteten Ressentiments und zielen darauf ab, den Beitritt unseres Landes zur EU zu verhindern". Türkische Bürger seien in Deutschland wegen ihrer politischen Orientierung Opfer von Diskriminierung, "allein aus diesem Grund" sei ein Teil der in Deutschland lebenden Türken "zum Objekt verbaler Aggression" geworden.

Auch Deutschland hatte Reisehinweise für Türkei verschärft

Die Veröffentlichung des türkischen Außenministeriums ist eine weitere Zuspitzung des angespannten Verhältnisses zwischen Deutschland und der Türkei. Die Türkei steht unter anderem wegen ihres Umgangs mit angeblichen Unterstützern des gescheiterten Putsches vor einem Jahr in der Kritik – aber auch, weil sie Bundestagsabgeordneten wiederholt den Besuch deutscher Soldaten an türkischen Stützpunkten verwehrte, die Bundesregierung mit Nazivorwürfen überzog und Deutschtürken Wahlempfehlungen für die Bundestagswahl gab.

Nach mehreren Festnahmen deutscher Staatsbürger in der Türkei hatte das Auswärtige Amt Ende Juli Reisehinweise erweitert. Darin rät das Ministerium zu erhöhter Vorsicht bei Türkei-Reisen und weist auf "willkürliche Inhaftierungen" deutscher Staatsbürger in der Türkei hin. Die Opposition hat mehrfach verlangt, dass die Bundesregierung nicht nur Reisehinweise gibt, sondern eine Reisewarnung ausspricht. Das würde es den Bürgern erlauben, geplante Türkei-Reisen kostenlos zu stornieren.

Das Auswärtige Amt bemüht sich seit Wochen um die konsularische Betreuung festgenommener Deutscher, die von den türkischen Behörden verweigert oder nur sporadisch zugelassen werden. Die Türkei verdächtigt sie, die Urheber des gescheiterten Militärputsches vom vergangenen Jahr unterstützt zu haben. Der bekannteste Fall ist der des Doppelstaatlers und Journalisten Deniz Yücel, der seit mehr als 200 Tagen in Haft sitzt. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte zuletzt einen Abbruch der EU-Beitrittverhandlungen mit der Türkei verlangt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkelwill darüber mit ihren EU-Kollegen beim Gipfel im Oktober beraten. Der Plan stieß allerdings auf Widerstand, unter anderem von Großbritannien, Irland und Ungarn.