Die radikalislamischen Taliban haben in mehreren Provinzen Afghanistans Anschläge verübt. Dabei wurden mindestens 85 Menschen getötet. Einer der schwersten Überfälle überhaupt in diesem Jahr ereignete sich in Gardez, der Hauptstadt der ostafghanischen Provinz Paktia. Sieben Attentäter griffen das Polizeihauptquartier an, vor dem am Morgen viele Menschen Schlange standen, um Pässe oder Personalausweise abzuholen. Das Gebäude dient der Polizei als Ausbildungszentrum, der Regierung als Passbehörde.

Ein Angreifer sprengte sich mit einer Autobombe in die Luft, ein zweiter mit einer Sprengstoffweste. Die anderen fünf wurden bei einer anschließenden Schießerei getötet. Nach Angaben des stellvertretenden Innenministers, General Murad Ali Murad, wurden insgesamt 41 Menschen getötet und fast 160 Menschen verletzt. Unter den Toten sind zahlreiche Zivilisten und auch der Polizeichef der Provinz.

Schon in der Nacht hatten in der an Paktia angrenzenden Provinz Gasni rund 300 Taliban das Zentrum des Bezirks Andar angegriffen, wie Bezirksgouverneur Mohammed Disiwal sagte. General Murad vom Innenministerium sagte, dass hier 25 Einsatzkräfte und fünf Zivilisten getötet worden seien.

Auch in der westafghanischen Provinz Farah rückten Taliban in der Nacht vor und eroberten kurzzeitig das Zentrum des Bezirks Schibkoh. Die Leiterin des Provinzrats, Jaimila Amini, sagte, bei den Gefechten seien vier Polizisten getötet worden.

USA will wieder Soldaten nach Afghanistan schicken

Eine Talibanoffensive gab es laut General Murad in der Nacht zudem in einem Bezirkszentrum der Ostprovinz Wardak. Auch hier zündeten Taliban zuerst eine Autobombe und schickten dann Kämpfer. Der Angriff wurde abgewehrt, dabei starben drei Polizisten. Zu Opfern unter Taliban gab es in allen Fällen nur unvollständige Berichte.

In der Hauptstadt Kabul warfen unbekannte Täter mehrere Handgranaten auf einen Polizeiposten im Regierungsviertel. Dabei sei ein Zivilist ums Leben gekommen, sagte der Leiter des Kriminalamtes der Stadt, Mohammad Salim Almas. Drei Polizisten seien verletzt.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit Ende der Nato-Kampfmission und dem Abzug der meisten internationalen Soldaten Ende 2014 drastisch verschlechtert. Die USA und einige Nato-Staaten wollen nun wieder einige Tausend zusätzliche Soldaten nach Afghanistan schicken. Die USA haben Luftangriffe auf Taliban stark verschärft.