Tausende Menschen sind in Buenos Aires auf die Straße gegangen und haben die argentinische Regierung aufgefordert, den Tod eines Politaktivisten aufzuklären. Die etwa 10.000 Demonstranten verlangten auch den Rücktritt der für die Polizei zuständigen Ministerin Patricia Bullrich und riefen "Santiago wurde von der Polizei getötet." Es kam auch zu Zusammenstößen, maskierte Demonstranten bewarfen die Polizei und zündeten Barrikaden an. Die Parteien stellten bereits am Freitag ihren Wahlkampf ein.

Der Politaktivist Santiago Maldonado war vergangene Woche tot aufgefunden worden, am Freitag hatte seine Familie die Leiche identifiziert. Bei einer Demonstration Anfang August soll die Militärpolizei ihn festgenommen haben, danach wurde er nicht mehr gesehen.

Maldonado hatte in der Stadt Cushamen im Süden Argentiniens gemeinsam mit Ureinwohnern für deren Rechte protestiert. Die Mapuche beanspruchen dort ein Gebiet für sich, das an den Modeunternehmer Luciano Benetton verkauft werden soll. Bei der Demonstration hatten sie das Land besetzt und waren dann von der Grenzschutzpolizei geräumt worden. 

Erinnerungen an Militärdiktatur

Politiker aus der Opposition und Menschenrechtler werfen der Regierung vor, nicht konsequent zu ermitteln. Es gebe Unstimmigkeiten: Die Leiche Maldonados war am Dienstag im Fluss Chubut gefunden worden, nahe dem Ort, wo er demonstriert hatte. Die Stelle vom Fluss war aber bereits zuvor dreimal abgesucht worden.   

Die Familie von Maldonado macht die Regierung und die Militärpolizei für den Tod des 28-Jährigen verantwortlich. Staatschef Mauricio Macri wies die Anschuldigungen zurück und verteidigte das Vorgehen der Militärpolizei in Cushamen. Auch die Sicherheitsministerin Bullrich stritt ab, dass der Aktivist Opfer der Sicherheitskräfte geworden sein könnte.

Dennoch stellten die Parteien am Freitag ihren Wahlkampf ein. Am Sonntag wählen die Argentinier Teile des Unterhauses und des Senats neu. Beobachter rechnen damit, dass Staatschef Mauricio Macri und sein Mitte-Rechts-Bündnis gestärkt aus der Wahl hervorgehen.

Nachdem Maldonado Anfang August verschwunden war, ist eine landesweite Debatte über Polizeigewalt entstanden. Viele Argentinier fühlen sich an die Militärdiktatur erinnert. Das Militär hatte von 1976 bis 1983 das Land regiert. In der Zeit waren 30.000 Menschen ermordet worden oder verschwanden spurlos.