In Malta ist eine populäre Bloggerin getötet worden, die der Regierung des Inselstaats Korruption vorgeworfen hatte. Nach Polizeiangaben starb Daphne Caruana Galizia, als eine unter ihrem fahrenden Auto angebrachte Bombe explodierte. Der maltesische Regierungschef Joseph Muscat sprach von einem "schwarzen Tag für unsere Demokratie und unsere Meinungsfreiheit". Der Mitte-links-Politiker wies die Sicherheitskräfte an, die Täter zu finden und vor Gericht zu bringen.

Die Polizei sagte der Times of Malta, bei der verbrannten Leiche auf dem Fahrersitz handele es sich um die Bloggerin. Dem staatlichen TV-Sender TVM zufolge hatte sich Galizia vor zwei Wochen an die Polizei gewandt, weil sie Morddrohungen erhalten habe.

Galizias Blog wurde nach Angaben des US-Magazins Politico an manchen Tagen von bis zu 400.000 Menschen gelesen. Zum Vergleich: Maltas Einwohnerzahl liegt bei etwa 440.000. International bekannt wurde Galizias Name im Zuge der Recherche zu den Panama Papers: Durch ihre Berichte hatte die 53-Jährige erreicht, dass Muscat vorgezogene Neuwahlen ausrief. Unter anderem steht seine Frau im Verdacht, Bestechungsgelder auf geheimen Konten in Panama versteckt zu haben. Vorwürfe im Zusammenhang mit Offshorekonten richteten sich auch gegen den Energieminister sowie gegen Muscats Kabinettschef.

Muscat sagte: "Jeder weiß, dass Frau Galizia eine scharfe Kritikerin von mir war – sowohl politisch als auch persönlich." Dennoch sei diese "barbarische Tat" durch nichts zu rechtfertigen.

Aus der vorgezogenen Parlamentswahl im Juni ging Muscats Arbeiterpartei trotz der Korruptionsvorwürfe als Siegerin hervor. Es war das erste Mal seit der Unabhängigkeit des Staats von Großbritannien 1964, dass die Arbeiterpartei zwei Wahlen in Folge gewann. Muscat hatte die Vorwürfe kategorisch bestritten und für den Fall, dass sie sich als wahr erweisen sollten, seinen Rücktritt angekündigt.

Die Journalistin und Bloggerin Daphne Capuana Galizia wurde am 16. Oktober auf Malta bei einem Anschlag getötet. © Matthew Mirabelli/AFP/Getty Images

Das US-Magazin Politico schrieb kürzlich über Galizia, ihre Reportagen hätten Europa geformt, erschüttert und aufgewühlt. Man könne sich Galizia vorstellen wie eine Art WikiLeaks, geführt von einer einzigen Frau: Sie sei gegen Korruption und Intransparenz in Malta vorgegangen. Für beides sei der Inselstaat berühmt.

Galizia recherchierte im Bankensektor und damit verbunden zu Geldwäsche, über Maltas Geschäfte im Onlineglücksspiel und die Mafia. In den vergangenen zwei Jahren lag der Fokus ihrer Arbeit auf den Recherchen zu den Panama Papers.  

Die Enthüllung der Panama Papers im April 2016 hatte etliche wohlhabende und einflussreiche Politiker, etwa den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, den russischen Präsidenten Wladimir Putin oder den ehemaligen isländischen Ministerpräsidenten Sigmundur Davíð Gunnlaugsson mit Briefkastenfirmen in Steueroasen in Verbindung gebracht. Die Einrichtung solcher Firmen ist an sich nicht illegal, sie können aber für Steuerhinterziehung und Geldwäsche genutzt werden.

Attentat in Malta - "Eine Attacke auf die Meinungsfreiheit" In Malta haben zahlreiche Menschen der ermordeten Journalistin Daphne Caruana Galizia gedacht. Zuletzt hatte sie im Rahmen der sogenannten Panama Papers recherchiert. © Foto: REUTERS/Darrin Zammit Lupi