Nach dem Angriff auf das Countrymusikafestival in Las Vegas befinden sich immer noch viele Opfer in einem kritischem Zustand. Bisher starben mindestens 59 Menschen und 527 wurden verletzt, als ein 64-Jähriger am Sonntagabend minutenlang von einem Hotel aus auf ein Freiluftgelände schoss. 22.000 Menschen besuchten dort das Countryfestival Route 91 Harvest. Der Täter besaß der Polizei zufolge mehr als 34 Feuerwaffen und mehrere Sprengsätze.

Die Polizei drang in das Hotelzimmer des Schützen im 32. Stockwerk des Mandalay-Bay-Hotels an der berühmten Casino-Meile ein, nachdem dieser bereits minutenlang auf die Festivalbesucher geschossen hatte. Ein Sheriff schilderte, dass der Angreifer durch die Zimmertür auf die Beamten schoss. Als die Polizei sich den Weg ins Zimmer freigesprengt hatte, sei der Mann tot gewesen. Es hieß, er habe sich selbst erschossen. Die Polizei identifizierte den Schützen als Stephen Paddock aus Mesquite im Bundesstaat Nevada. Dem FBI zufolge gibt es keine Hinweise auf Verbindungen zu internationalen Terrorgruppen, obgleich die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) die Tat zunächst für sich reklamiert hatte.

Im Hotelzimmer von Paddock stellte die Polizei 17 Feuerwaffen sicher. In seinem Wohnhaus in Mesquite, etwa 130 Kilometer nordöstlich von Las Vegas, entdeckten die Beamten 18 weitere Feuerwaffen, Tausende Schuss Munition sowie Sprengsätze. Im Auto des Rentners befanden sich mehrere Pfund Ammoniumnitrat, ein Salz, mit dem Sprengsätze hergestellt werden können.

Intensive Suche nach Motiven

Eine Sondereinheit und Sprengstoffexperten begleiteten die Polizisten inzwischen in das zweite Haus des Schützen in Reno. Informationen darüber, ob etwas bei der Durchsuchung dieses Hauses gefunden wurde, gab es zunächst nicht.

Die Motive des Täters sind weiterhin unklar. Die Ermittler wollen die Freundin von Paddock befragen, die sich derzeit auf einer Reise in Japan befinden soll. US-Justizminister Jeff Sessions ordnete für die Ermittlungen Unterstützung von FBI und anderen Bundesbehörden an.

Paddocks Bruder Eric schilderte den Schützen in US-Medien als unauffälligen und wohlhabenden Mann. "Er hatte wahrscheinlich nicht mal einen Strafzettel", sagte Eric Paddock. Allerdings habe sein Bruder eine starke Spielleidenschaft und hohe Summen beim Glücksspiel eingesetzt. Der Rentner besaß zwei relativ neue Privathäuser im Bundesstaat Nevada. Immobilienexperten schätzten deren Wert auf mindestens 700.000 US-Dollar (knapp 600.000 Euro).

Der Inhaber eines Waffenladens in Mesquite sagte, Paddock habe mehrere Schusswaffen bei ihm gekauft – ohne eine genaue Zahl zu nennen. Es seien alle vorgeschriebenen Überprüfungen durchgeführt worden, bevor der Schütze die Waffen kaufte. Er habe keine Anzeichen dafür gesehen, dass der Mann labil gewesen sein könnte. Auch der Besitzer eines Waffenladens im US-Staat Utah sagte, Paddock habe das Geschäft in diesem Jahr mehrmals besucht und ein Jagdgewehr gekauft. Auch dort sei er staatlich überprüft worden.

Republikaner gegen strengeres Waffenrecht

Das Attentat vom Sonntag ist das größte mit Schusswaffen in der Geschichte der USA. Es löst erneut eine Debatte über das Waffenrecht aus. Politiker der oppositionellen Demokraten bekräftigten ihre Forderungen nach strengeren Gesetzen. Die regierenden Republikaner signalisierten allerdings keine Unterstützung. Eine Sprecherin von Präsident Donald Trump bezeichnete eine Debatte über das Waffenrecht als verfrüht. Trump will an diesem Mittwoch nach Las Vegas reisen, um Opfer, Angehörige und Ersthelfer zu treffen.