Die Verhandlungen über den britischen EU-Austritt haben ihr erstes Etappenziel klar verfehlt. Es gebe bisher keinen ausreichenden Fortschritt, um die wichtige zweite Phase der Brexit-Gespräche zu starten, sagte EU-Unterhändler Michel Barnier. Die Gesprächsatmosphäre sei zwar "konstruktiv" gewesen, es gebe aber keine "großen Schritte vorwärts". Die EU hoffe nun, dass dies bis Dezember erreicht werde.

Beide Seiten hatten seit Montag erneut über zentrale Austrittsfragen beraten. Dazu gehören die Finanzforderungen der EU an die britische Seite, die künftigen Rechte von EU-Bürgern in Großbritannien und der Status Nordirlands. Erst wenn es "ausreichende Fortschritte" in diesen Bereichen gibt, will die EU mit der Regierung in London auch über das künftige Verhältnis und ein mögliches Handelsabkommen sprechen.

Laut Barnier kommen die Verhandlungen zu den Finanzen nicht voran. "Bei dem Thema stecken wir in der Sackgasse." Darüber sei gar nicht gesprochen worden: "In dieser Woche hat Großbritannien uns gesagt, dass sie die Zahlungen nicht benennen können."

Der Übergang in diese zweite Phase war ursprünglich für Oktober geplant. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte jedoch wegen fehlender Fortschritte bereits Ende September gesagt, ohne "Wunder" sei dies nicht mehr möglich. 

Der britische Brexit-Unterhändler David Davis sprach sich im Gegensatz zu Barnier dafür aus, dass die Staats- und Regierungschefs "einen Schritt nach vorn" machen und die Verhandlungen auf künftige Beziehungen lenken. Die Klärung der Bedingungen für die Scheidung zwischen Großbritannien und EU hänge von "Gesprächen über unser künftiges Verhältnis" ab, sagte Davis.

Zuletzt waren die Verhandlungen von Äußerungen der britischen Premierministerin Theresa May belastet worden. Die konservative Regierungschefin hatte angekündigt, Vorkehrungen für einen ungeregelten Brexit zu treffen. Falls bis Ende März 2019 kein neues Abkommen zustande komme, müssten sich die Handelsbeziehungen nach den Regeln der Welthandelsorganistation (WHO) richten.

Die Briten hatten im Juni 2016 in einem Referendum für den Austritt aus der EU gestimmt. Großbritannien wird den Austritt im März 2019 vollziehen.