Die Offensive des türkischen Militärs in der syrischen Provinz Idlib soll laut Ministerpräsidenten Binali Yıldırım eine Masseneinwanderung in die Türkei verhindern. Derzeit würden in der Region Kontrollpunkte für künftige Stationierungen errichtet, sagte Yıldırım vor Abgeordneten der Regierungspartei AKP.

Die Türkei hatte am Sonntag in der Rebellenprovinz eine Offensive begonnen. Ziel sei die Errichtung einer Deeskalationszone. Die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) unterstützt die Türkei. 

Idlib ist die letzte Region Syriens, die fast vollständig von Aufständischen beherrscht wird. In jüngster Zeit haben dort die Extremisten des Dschihadistenbündnisses Hajat Tahrir al-Scham (HTS) ihren Einfluss deutlich ausgebaut. Die Gruppierung ging aus der radikalislamischen Nusra-Front hervor, die ihre Wurzeln wiederum in der Al-Kaida hat.

Die Türkei als Unterstützerin der Rebellen hatte sich Mitte September bei Verhandlungen in Kasachstan mit Russland und dem Iran, die den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützen, darauf verständigt, in Idlib eine von vier Deeskalationszonen einzurichten. Damit soll die Gewalt dort reduziert und eine Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen vereinbart werden. 

HTS auch im Visier der russischen Luftwaffe

Das HTS-Bündnis ist davon ausgenommen. Beobachter rechneten im Vorfeld der türkischen Offensive deshalb mit heftigen Kämpfen, da die Extremisten zunächst aus der Region zurückgedrängt werden müssen. Am Sonntag gab es bereits erste Schusswechsel an der Grenze.

Auch die russischen Streitkräfte setzten HTS zuletzt unter Druck. Als die Gruppe im Süden der Provinz Idlib kürzlich eine Offensive auf die syrischen Regierungstruppen startete, flog die russische Luftwaffe mehrere Angriffe. Dabei wurde nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau auch der HTS-Kommandeur Mohammed al-Dscholani schwer verletzt.

Die Extremisten bestreiten das und gaben sich auch mit Blick auf die türkische Offensive kämpferisch. Erst am Samstag warnte HTS alle "Verräter", dass Idlib für sie "kein Vergnügungsausflug" werde.