Im Streit über das internationale Atomabkommen mit dem Iran appelliert die Europäische Union an die USA, an der Vereinbarung festzuhalten. "Wir erwarten, dass alle beteiligten Länder sich an das Abkommen halten, solange der Iran das Abkommen umsetzt", sagte die Generalsekretärin des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD), Helga Schmid, der Zeitung Die Welt. "Wir haben bereits eine Nuklearkrise mit Nordkorea, wir brauchen keine zweite Nuklearkrise im Nahen Osten."

Der Appell der deutschen Diplomatin zielt insbesondere auf US-Präsidenten Donald Trump, der bis Sonntag mitteilen muss, ob er der Ansicht ist, dass der Iran das Atomabkommen einhält. Sollte er seine Zustimmung verweigern, muss wiederum der Kongress binnen 60 Tagen über neue Sanktionen gegen den Iran entscheiden. Trump hatte bereits vor Tagen eine Rede dazu angekündigt, die für diesen Freitag erwartet wird.

Schmid: Deal hat "die Welt sicherer gemacht"

Diplomatin Schmid betonte, das Abkommen mit dem Iran sei "das Ergebnis von zwölf Jahren Verhandlungen unter nicht immer ganz einfachen Umständen". Die Übereinkunft habe "die Welt sicherer gemacht und eine Gefahrenquelle von unkontrollierter atomarer Verbreitung ausgemerzt". Sollte Trump das Abkommen tatsächlich aufkündigen, sei ein "nuklearer Rüstungswettlauf" im Nahen Osten wahrscheinlicher. "Das würde die Region noch unsicherer machen – eine Gefahr für uns alle", sagte Schmid, die als Mitglied der deutschen Delegation an den jahrelangen Verhandlungen über das Atomabkommen beteiligt war.

USA - Kündigt Trump den Atomdeal mit Iran? Der US-Präsident stellt am Freitagnachmittag Ortszeit seine neue Iran-Strategie vor. Unter anderem steht infrage, ob er das von Obama 2015 geschlossene Atomabkommen bestätigt © Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Eine Neuverhandlung des Atomabkommens lehnte Schmid ab. "Man darf nicht vergessen, dass es sich hier um ein Nichtverbreitungsabkommen handelt, das seinen Zweck voll und ganz erfüllt", sagte die EU-Diplomatin. Daher bestehe "keine Notwendigkeit, neu zu verhandeln". Zwar gebe es "große Probleme wie die unerträgliche Lage in Syrien und Jemen", sagte sie mit Blick auf die Rolle der iranischen Regierung in den beiden Bürgerkriegsländern. Diese müssten aber "in anderen Foren" gelöst werden.

Trump hat das 2015 geschlossene Atomabkommen mit Teheran immer wieder infrage gestellt. Wichtige Mitglieder seiner Regierung wie Verteidigungsminister James Mattis verteidigen es aber. Die Europäer haben wiederholt vor einer Aufkündigung der Vereinbarung gewarnt. Zudem bescheinigte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) dem Iran, dass er sich an das Abkommen halte.