Die iranische Revolutionsgarde hat US-Präsident Donald Trump mit Vergeltungsschlägen gedroht, sollten die USA neue Sanktionen gegen den Iran verhängen. Falls die USA neue Sanktionen gegen den Iran beschließen, sollten sie ihre Militärstützpunkte aus der Reichweite iranischer Raketen zurückziehen, sagte der Gardechef Mohammad Ali Dschafari der iranischen staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Die iranischen Raketen könnten laut Dschafari 2.000 Kilometer weit reichen. Die nächstgelegene US-Militärbasis in der Region ist weniger als 500 Kilometer von der iranischen Grenze entfernt.

Außerdem warnte Dschafari Trump davor, die Revolutionsgarden zu einer Terrorgruppe zu erklären. "Falls die Amerikaner so dumm sein sollten", das zu tun, werde der Iran die US-Armee im Nahen Osten auf eine Stufe mit dem "Islamischen Staat" stellen, sagte Dschafari. Der Iran betrachtet die Terrormiliz als Kriegsfeind und bekämpft ihn in Syrien und im Nordirak. Die iranische Revolutionsgarde ist eine paramilitärische Gruppe, die auch politisch und wirtschaftlich großen Einfluss im Iran hat.

Dschafaris Drohungen kommen einige Tage, bevor Trump laut Medienberichten eine Neuausrichtung der Beziehung mit dem Iran bekannt geben will. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind angespannt, seit Trump das 2015 unter seinem Amtsvorgänger Barack Obama geschlossene Atomabkommen mit dem Iran mehrfach kritisiert hat.

Es soll den Iran daran hindern, Atomwaffen zu bauen. Das Land hat sich verpflichtet, sein Nuklearprogramm zurückzufahren und die Einhaltung des Abkommens extern überprüfen zu lassen. Im Ausgleich dafür wurden damals weitreichende wirtschaftliche Sanktionen gegen den Iran zurückgenommen.

Trump hatte das Abkommen unter anderem als "schlechtesten Deal aller Zeiten" bezeichnet. Am vergangenen Freitag hatte er gesagt, der Iran verstoße gegen den "Geist des Abkommens". Als er einen Tag danach gefragt wurde, ob er aus dem Abkommen aussteigen würde, antwortete er: "Das sage ich Ihnen nicht."

Was Trump genau plant, ist unklar. Laut Medienberichten erwägt er verschiedene Optionen, die unterschiedlich schwer wiegen würden. Die härteste wäre, das Abkommen zu "deratifizieren", es also von US-Seite aufzukündigen. Diese Entscheidung muss der US-Präsident gesetzlich alle 90 Tage fällen. Die aktuelle Frist läuft bis zum 15. Oktober, deshalb wird in der nächsten Woche eine Entscheidung erwartet.

Die zweite, weniger harte Option wäre es, dem Iran vorzuwerfen, dass dieser nicht den mit ihm vereinbarten Pflichten nachkomme. Sollte Trump das tun, hätte der US-Kongress 60 Tage Zeit, neue Sanktionen gegen den Iran zu verhängen. Der Beschluss neuer Sanktionen käme einer Kündigung des Abkommens vonseiten der USA gleich. Allerdings ist unklar, ob sich für neue Sanktionen eine Mehrheit im Kongress finden würde.

Die Erwägungen Trumps sind laut den Medienberichten Teil einer Strategie, den Iran dazu zu bringen, Teile des Abkommens neu zu verhandeln. In den USA ist die Laufzeit des Abkommens umstritten. Zudem soll der Iran gezwungen werden, sich auch abseits der Nukleardebatte friedlich zu verhalten.