Eine solche Europäische Republik, zusammengesetzt aus etwa 50 oder 60 Regionen, wie sie auf alten europäischen Landkarten auftauchen, würde die heute beklagte Übermacht der großen Nationalstaaten in der EU – allen voran Deutschland – überwinden. Unter dem Dach einer Europäischen Republik wären alle europäischen Bürgerinnen und Bürger gleich vor dem Recht – die Bedingung für jede Demokratie – und doch kulturell vielfältig.

"Regionen sind Heimat, Nationen sind Fiktion", schreibt der österreichische Schriftsteller Robert Menasse. Das Nationale ist meist nur eine Erzählung, das Regionale, das ist die Sprache, die Küche, die Kultur. Würde man die Regionen im politischen System einer Europäischen Republik aufwerten, bekäme man genau jene "Einheit in Vielheit", ohne eine verkrampfte und künstliche europäische Identität schaffen und ohne die Flucht ins Nationale antreten zu müssen.

So besehen könnten die katalonischen Bestrebungen der Aufbruch in ein anderes Europa werden. Wenn, ja wenn es jetzt angesichts der Krise in Spanien in der EU den Mut gäbe, Europa wirklich einmal neu zu denken. Oder anders formuliert: Europa dem anzunähern, was es im Geiste der Gründungsväter eigentlich sein sollte: keine Integration von Nationalstaaten, sondern die Einigung von Menschen jenseits von Nationen.