In Kenia wird Oppositionsführer Raila Odinga nicht bei der geplanten Neuwahl teilnehmen. Er habe seine Kandidatur zurückgezogen, sagte Odinga. Er begründete den Schritt damit, dass die Wahlkommission die von seiner Partei geforderten Reformen nicht umgesetzt habe. "Alles deutet darauf hin, dass die Wahl am 26. Oktober schlimmer wird als die vergangene Wahl."

Mit Odingas Boykott ist unklar, ob es überhaupt eine Neuwahl geben wird. So sagte Musalia Mudavadi der Oppositionspartei National Super Alliance (Nasa), der auch Odinga angehört, dass die Wahlkommission die geplante Wahl absagen und neue Nominierungen abhalten müsse.

Die Wahlkommission twitterte, sie werde sich mit der Rechtsabteilung treffen und das weitere Vorgehen besprechen. Außerdem versicherte die Behörde in einem veröffentlichten Brief an Nasa, dass sie alle nötigen Maßnahmen ergriffen habe, um die Integrität der Wahl zu garantieren.

Amtsinhaber Uhuru Kenyatta von der Jubilee-Partei sagte, die Wahl werde trotz Odingas Boykott stattfinden. "Nirgendwo in der Verfassung ist zu lesen, dass Raila Amollo Odinga auf dem Wahlzettel stehen muss."

Die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl waren nicht verifizierbar

Anfang August hatte der seit 2013 amtierende Kenyatta die Präsidentschaftswahl gewonnen. Odinga warf ihm allerdings Wahlbetrug vor und klagte vor Gericht. Anfang September annullierte das Oberste Gericht die Wahl und ordnete Neuwahlen an. Die Wahlkommission habe sich geweigert, dem Gericht Einblick in ihre Computerserver zu gewähren, begründeten die Richter. Die Ergebnisse seien dadurch nicht verifizierbar.

Odinga hatte seitdem immer wieder Änderungen in den Wahlkommissionen gefordert, etwa bezüglich ihrer Arbeitsweise oder beim Personal. Sollte es nicht dazu kommen, werde er nicht zur Neuwahl antreten. Zu seiner Unterstützung hatten oppositionelle Bürger tagelang in Nairobi und anderen Städten demonstriert. Odingas Partei National Super Alliance (Nasa) kündigte nun für Mittwoch erneut Proteste an.

Beobachter fürchten, dass es zu Straßenschlachten mit Verletzten kommen könnte. Das hatte es nach vergangenen Wahlen in Kenia häufig gegeben. Nach der Wahlniederlage von Odinga im Jahr 2007 etwa waren mehr als 1.000 Menschen gestorben. Auch nach der Wahl in diesem August war es zu Unruhen gekommen. 37 Menschen wurden laut der kenianischen Menschenrechtskommission getötet, die meisten durch Polizeigewalt.

Den Spannungen während der Wahlen lagen oft ethnische Konflikte zugrunde. Seit der Unabhängigkeit 1963 hat die bevölkerungsstärkste Volksgruppe der Kikuyu die meisten Präsidenten des Landes gestellt, wie zum Beispiel Kenias ersten Staatschef Jomo Kenyatta und seinen Sohn Uhuru. Mitglieder anderer Gruppen, etwa der Luo, zu denen Odinga zählt, fühlen sich Experten zufolge marginalisiert.