Erstmals seit 40 Jahren hat ein UN-Hochkommissar für Menschenrechte das Bürgerkriegsland Libyen besucht. Seid Raad al-Hussein nutzte seinen kurzen Aufenthalt am Donnerstag in erster Linie, um die libysche Regierung zu einem humanitären Umgang mit Flüchtlingen zu ermahnen.

Libyen ist der Hauptausgangspunkt für Menschen, die die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa wagen. Doch "kein UN-Hochkommissar für Menschenrechte hat während der Regierungszeit Muammar al-Gaddafis oder nach dessen Diktatur die Menschenrechtslage in Libyen diskutiert", sagte Al-Hussein. Er mahnte, die von den UN unterstützte Regierung "könne und solle" die Führung übernehmen sowie Anstrengungen unternehmen, um Folter, Verletzungen und willkürliche Verhaftungen von Migranten zu unterbinden.

Al-Hussein war einen Tag in Libyen. Aus Sicherheitsgründen hatte er seinen Besuch nicht angekündigt. Der UN-Hochkommissar sprach mit Regierungsvertretern, darunter denen, die für die Migrationszentren in Libyen verantwortlich sind. Dort seien derzeit "Tausende Menschen inhaftiert, manche davon seit 2011", sagte Al-Hussein. Weiter sagte er, bewaffnete Gruppierungen hielten in Libyen zahlreiche Zivilisten gefangen. "Jede Woche werden Männer, Frauen und Kinder durch den rücksichtslosen Umgang mit Waffen getötet und verletzt", kritisierte der UN-Hochkommissar.

Risk Intelligence; Stand: 19.09.2017

Die Machtverhältnisse in Libyen

© ZEIT-Grafik

Seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in Libyen ein Bürgerkrieg, dort kämpfen zwei verfeindete Regierungen und mehrere Warlords um die Macht.

Die international anerkannte und von der UN unterstütze Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch kontrolliert kaum mehr als die Hauptstadt Tripolis. Im Osten herrscht der mächtige General Chalifa Haftar. Eine UN-Mission versucht, in dem Land einen neuen Staat zu errichten.