Die Kurden im Nordirak planen nach dem Unabhängigkeitsreferendum als nächsten Schritt Parlaments- und Präsidentschaftswahlen. Als Wahltermin ist der 1. November vorgesehen, berichtete der Sender Rudaw TV unter Berufung auf die Wahlbehörde. Beim Referendum am 25. September hatten fast 93 Prozent der Wähler für eine Abspaltung des Nordiraks gestimmt. Die Abstimmung war jedoch nicht bindend, ihr Ergebnis ist international umstritten.

Die Türkei drohte den Kurden mit einer deutlichen Verschärfung der Sanktionen. "Wir kommen zurzeit mit einigen Embargos im Nordirak aus, aber wenn sie nicht zur Vernunft kommen, wird das zunehmen", sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan vor Abgeordneten seiner Partei AKP.

Die Türkei und der Iran haben eine große kurdische Minderheit und sind wie die irakische Zentralregierung in Bagdad gegen einen kurdischen Staat. Sie befürchten, dass eine Unabhängigkeit des Nordiraks Autonomiebestrebungen der Kurden in ihren eigenen Ländern befeuern könnten.

Wirtschaftssanktionen würden das an die Türkei grenzende Kurdengebiet im Irak praktisch von den internationalen Märkten abschneiden. Erdoğan sagte aber auch, dass er bereit sei, auf die Regionalregierung in Erbil zuzugehen, wenn diese ihren Kurs ändere.

Keine Flüge in die Kurdengebiete

Die türkische Führung hatte das Referendum mehrmals als nicht legitim bezeichnet. Zahlreiche Fluggesellschaften, darunter Turkish Airlines, stoppten nach dem Referendum ihre Flüge in die kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak. Die Unternehmen reagierten damit auf eine Anweisung der irakischen Luftfahrtbehörde. Die Türkei nahm zudem drei nordirakische Fernsehsender aus dem Angebot des Satellitenanbieters Türksat.

Erdoğan will am Mittwoch nach Teheran reisen und den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani und den obersten Führer Ajatollah Said Ali Chamenei treffen. In den Gesprächen soll es um die Konflikte in der Region gehen, vor allem um das Bürgerkriegsland Syrien und den Irak.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu warnte vor einer Isolation des Irans. Es sei ein schwerwiegender Fehler, das Regime in Teheran auszugrenzen und in die Ecke zu drängen, sagte er der Nachrichtenagentur Anadolu.