Die US-Regierung schränkt die Verfügbarkeit der Pille auf Krankenschein ein. Künftig wird es dadurch mehr Unternehmen erlaubt sein, ihren Mitarbeiterinnen kostenlose Verhütungsmittel im Rahmen ihrer Krankenversicherung zu verweigern. Nach dem Gesundheitsgesetz von Ex-Präsident Barack Obama – dem Affordable Care Act oder besser bekannt als Obamacare – waren die meisten Unternehmen verpflichtet, Verhütungsmittel als Vorsorgemaßnahmen kostenlos anzubieten. Des Weiteren ist es in den USA üblich, Versicherungsschutz über den Arbeitgeber zu erhalten.

Insbesondere die "Pille auf Krankenschein" war eines der am stärksten umstrittenen Elemente in der Gesundheitsreform Obamas. Das sogenannte Verhütungsmandat ging weit über entsprechende Regelungen in Deutschland hinaus, wo die Krankenkassen kostenlose Verhütung nur für Frauen bis 21 Jahre voll übernehmen. Für die katholische Bischofskonferenz der USA war dies damals ein großes Ärgernis. Sie sah in der Finanzierung von Versicherungspolicen, die den kostenlosen Zugang zu künstlichen Verhütungsmitteln enthielten, einen "Angriff auf die Religionsfreiheit".

Nun hat US-Präsident Donald Trump eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen eingelöst: Künftig wird es für Arbeitgeber Ausnahmeregelungen geben. Mit Verweis auf religiöse oder moralische Gründe können sie ihren Mitarbeiterinnen Verhütungsmittel verweigern. Davon betroffen sein könnten mehrere Zehntausend Frauen, die zumeist in Einrichtungen in religiöser Trägerschaft arbeiten. Die US-Regierung sprach von rund 200 Unternehmen und 120.000 Frauen. Dabei ist unklar, wie zum Beispiel katholische Krankenhäuser und Universitäten auf die neue Regelung reagieren werden. Frauenorganisationen kündigten bereits Klagen an.

Schon früher konnten etwa Kirchen, gemeinnützige Gruppen und einige private Unternehmen aus der Finanzierung der Verhütungsmittel aussteigen. Sie verwiesen dabei auf die Religionsfreiheit. Nun gilt das auch für gewinnorientierte Firmen und börsennotierte Unternehmen. Die weitaus meisten dieser Firmen haben allerdings keine Bedenken, ihren Mitarbeiterinnen Verhütungsmittel kostenlos anzubieten.

"Widerlicher Angriff auf die Gesundheit von Frauen"

Die demokratische Minderheitsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, sagte, die "Verachtung der Regierung" gegenüber Frauen habe einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die Republikaner hätten einen "widerlichen Angriff auf die Gesundheit von Frauen" verübt.

Kritik kam auch vom amerikanischen Gynäkologen-Verband. Er bemängelte, mit der Entscheidung gerate das Ziel in Gefahr, die Zahl unerwünschter Schwangerschaften in den USA zu senken. 

Das Gesundheitsministerium wiederum argumentiert, dass immer noch 99,9 Prozent der Frauen kostenfreien Zugang zu Verhütungsmitteln hätten. Die Regierung unterstützte zahlreiche andere Programme in diesem Bereich. Kritiker bestreiten diese Zahl.