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15. Oktober 2017 Liveblog abgeschlossen
© Herbert Neubauer/APA/dpa

Österreich-Wahl: Österreich rückt nach rechts

Die rechten Parteien ÖVP und FPÖ werden in Österreich wohl die Regierung bilden. Die SPÖ liegt laut vorläufigem Endergebnis nur auf Rang drei. Das Liveblog zum Nachlesen

Österreich wird voraussichtlich in Zukunft von rechten Parteien regiert: Die ÖVP von Sebastian Kurz wurde am Sonntag stärkste Kraft. Das vorläufige Endergebnis sieht seine Partei bei 31,4 Prozent, gefolgt von Heinz-Christian Straches FPÖ (27,4 Prozent).

Kurz könnte mit seinen 31 Jahren jüngster Regierungschef Europas werden. Vermutlich wird er ein schwarz-blaues Bündnis mit der FPÖ eingehen.

Die SPÖ von Bundeskanzler Christian Kern kommt mit 26,7 Prozent nur auf Rang drei. Die Grünen hoffen noch auf die Stimmauszählung der Briefwahl, denn derzeit liegen sie unterhalb der Vierprozenthürde. Anders die Liste Pilz (4,1) und die liberale Partei NEOS (5,0).

Bis das amtliche Endergebnis vorliegt, kann es noch bis Donnerstag dauern. Denn erst ab Montag werden die Briefwahlstimmen ausgezählt. 

  • Stimmen­verteilung
  • Gewinne & Verluste
  • Koalitions­rechner

  • 21:05 Uhr
    Camilla Kohrs

    Als letztes Bundesland ist Tirol vollständig ausgezählt worden. Hier wird die SPÖ nur in Innsbruck stärkste Kraft, in allen anderen Bezirken gewinnt die ÖVP. Die ÖVP kommt auf 38,6 Prozent der Stimmen, die FPÖ auf 26,2 Prozent und die SPÖ auf 20,7 Prozent. Das ist das vorläufige Endergebnis ohne Briefwahlstimmen, welches das Innenministerium bekannt gegeben hat. 

  • 20:58 Uhr
    Camilla Kohrs


    ÖVP 31,4 (+7,4)
    FPÖ 27,4 (+6,8)
    SPÖ 26,7 (-0,1)
    NEOS 5,0 (+/- 0)
    Pilz 4,1 (+4,1)
    Grüne 3,3 (-9,1)

    Demnach lag die Wahlbeteiligung am heutigen Wahlsonntag bei 67,6 Prozent. Im Vergleich: 2013 lag sie bei 74,9 Prozent.

    Das amtliche Endergebnis wird erst bekannt gegeben, wenn alle Briefwahlstimmen ausgezählt sind. Die Behörden hatten fast 890.000 Wahlkarten ausgestellt und rechnen deshalb mit rund 780.000 weiteren Stimmen. Die Wahlkarten werden am Montag und am Donnerstag ausgezählt. 

  • 20:39 Uhr
    Camilla Kohrs

    Wien bleibt rot: 35 Prozent der Stimmen gehen hier an die SPÖ, 3,3 Prozent mehr als 2013. Die FPÖ wird mit 23,1 Prozent zweitstärkste Kraft, dann folgt die ÖVP mit 20,6 Prozent. Das zeigt das vorläufige Ergebnis des Innenministeriums ohne Briefwahlstimmen. Die Grünen haben demnach mehr als elf Prozent verloren und kommen nur noch auf 5,3 Prozent. 


    In Niederösterreich gewinnt die ÖVP mit 35,5 Prozent der Stimmen vor der FPÖ (26,8 Prozent) und der SPÖ (24,6 Prozent).  

  • 20:23 Uhr
    Camilla Kohrs

    In den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich hat die ÖVP die meisten Stimmen geholt. Das zeigen die vorläufigen Ergebnisse des Innenministeriums ohne die Stimmen aus der Briefwahl. 


    Im Bundesland Salzburg kommen die Konservativen auf 37,6 Prozent, gefolgt von der FPÖ (25,8 Prozent) und der SPÖ (22,1 Prozent). In Oberösterreich liegt die FPÖ auf dem zweiten Platz mit 28,2 Prozent knapp vor der SPÖ (27,5 Prozent). Die ÖVP holt hier 31,3 Prozent der Stimmen. 

  • 20:19 Uhr
    Florian Gasser

    Tirol stimmt gegen eine Olympiabewerbung

    Die konservative ÖVP hat heute in Österreich nicht nur gewonnen, sondern eine Volksbefragung auch verloren: In Tirol wurde über eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2026 abgestimmt. Zwei Mal fanden die Spiele bereits in Innsbruck statt, 1964 und 1976 (dazu noch die Olympischen Jugendspiele 2012). Diesmal sollten es neue, kleine und billigere Spiele werden, so sah es eine Machbarkeitsstudie vor – eine Art Anti-Sotschi. Die Landesregierung und die Regierung der Stadt Innsbruck warfen sich dafür ins Rennen, das Österreichische Olympische Comité fuhr eine aggressive Pro-Kampagne und bot alle Sportikonen sowie -legenden als Testimonials dafür auf.

    Am Ende stimmten trotzdem 53,35 Prozent dagegen. Selbst in alpinen Hochburgen wie Kitzbühel wurde eine Bewerbung abgelehnt. "Das Ergebnis pickt", sagte Tirols Landeshauptmann Günther Platter von der ÖVP.

  • 20:09 Uhr
    Ruth Eisenreich

    Bei der SPÖ stehen die Zeichen auf Opposition unter Christian Kern. "Es wird Schwarz-Blau geben", sagt der EU-Abgeordnete Eugen Freund, "jetzt ist die Zeit, um sich zu regenerieren, und wenn Christian Kern seine Ankündigung umsetzt, zehn Jahre lang in der Politik zu bleiben, dann ist danach noch genug Zeit für einen Kanzler Kern." Er hält weder eine Koalition mit der ÖVP noch eine mit der FPÖ für sinnvoll. Ähnlich klingen auch die einfachen Wähler im Zelt. 


    Kern solle "Steherqualitäten" zeigen, sagt eine Frau im weißen T-Shirt. Sie beruft sich auf die Erfahrungen mit der ersten schwarz-blauen Regierung von 2000 bis 2006: "Ich glaube, nach Blau-Schwarz kriegen wir die FPÖ-Wähler wieder zurück, weil sie dann angefressen sind", sagt sie, "und fünf Jahre gehen schnell vorbei". 

    Auch ein junges Paar draußen vor dem Zelt – rot-grüne Wechselwähler, die diesmal für die SPÖ gestimmt haben – wünscht sich, dass "Kern zu seinem Wort steht, Parteichef bleibt und aus der Opposition heraus ordentlich aufmischt".

  • 20:08 Uhr
    Sybille Klormann

     


    Bei der Elefantenrunde im ORF wird Heinz-Christian Strache von der FPÖ von dem Moderator gefragt, ob es Vorgespräche gegeben habe zwischen ihm und der ÖVP von Sebastian Kurz. Doch der verneint.

    Zuvor sagte Christian Kern, noch Bundeskanzler Österreichs, er rechne damit, dass Kurz und Strache eine Koalition eingehen werden. 

    Auch die Grünen-Chefin Ulrike Lunacek erwartet ein schwarz-blaues Bündnis. Sie sei sehr besorgt deswegen. 

  • 20:02 Uhr
    Florian Gasser

    Im Fernsehen läuft die sogenannte Elefantenrunde mit allen Parteichefs. Hier bei den Grünen in Wien macht sich langsam ein wenig Galgenhumor breit. "Was ich sagen möchte, kann ich nicht sagen", sagt ein junger Funktionär und grinst. Als Peter Pilz im Fernsehen zu Wort kommt, wenden sich manche ab, eine Gruppe an der Bar buht lautstark.


    Parteichefin Ingrid Felipe wird von Journalist zu Journalist weitergereicht, sie verweist unermüdlich darauf, dass das Endergebnis wohl erst am Donnerstag feststeht, wenn alle Wahlkarten ausgezählt sind. Doch wirklich glauben will an einen Verbleib im Parlament keiner mehr.

    Was ist mit der einst erfolgreichsten Grünpartei Europas passiert? Inhaltlich und personell ist die Partei ausgezehrt. Im Jahr 2016 waren die Grünen auf Bundesebene quasi inexistent, alles konzentrierte sich auf den elf Monate dauernden Präsidentschaftswahlkampf. Konflikte wurden in dieser Zeit unterdrückt, umso stärker traten sie in den vergangenen Monaten hervor "Es wäre zu einfach, unsere Niederlage nur auf Pilz zu schieben", sagt einer – namentlich zitiert werden, möchte er nicht. Denn zumindest für heute Abend gilt auf der grünen Wahlparty die Devise : Peter Pilz ist an allem schuld.

  • 19:56 Uhr
    Sybille Klormann

    Peter Pilz, der sich von den Grünen abgespaltet und eine eigene Liste gegründet hat, wird vom ORF-Moderator gefragt, ob er ein schlechtes Gewissen habe.


    Die Grünen werden vermutlich im neuen Parlament nicht mehr vertreten sein. Pilz sagt, für das Ergebnis kann er nicht verantwortlich gemacht werden. Er bedauere das Ergebnis der Grünen. Wichtig sei es aber jetzt, eine starke Opposition im Parlament zu stellen. Das sei jetzt seine Aufgabe mit der Liste Pilz, die den Sprung über die Vierprozenthürde aller Voraussicht nach geschafft hat.

  • 19:50 Uhr
    Camilla Kohrs

    In dem Bundesland Kärnten ist laut Innenministerium die FPÖ die stärkste Kraft. Die Rechtspopulisten kommen dort auf 33,2 Prozent, 15,3 Prozent mehr als noch 2013. Auch die ÖVP legt mehr als 10 Prozent zu und kommt auf 26,3 Prozent. Zweitstärkste Kraft wird die SPÖ mit 29,3 Prozent (-3,1 Prozent). 


    In der Steiermark kommen sowohl die ÖVP (31,3 Prozent) als auch die FPÖ (31 Prozent) auf mehr als 30 Prozent. Die SPÖ liegt hier bei 24,8 Prozent. Die Zahlen des Innenministeriums sind die vorläufigen Ergebnisse der heutigen Wahl. 

  • 19:34 Uhr
    Sybille Klormann

    Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird ÖVP-Chef Sebastian Kurz mit der Regierungsbildung beauftragen – sollte sich das Wahlergebnis in den kommenden Tagen bestätigen. Der APA sagte Van der Bellen, Kurz sei dann der "eindeutige Wahlsieger".
     
    Zum Abschneiden der Grünen, seiner ehemaligen Partei, sagte Van der Bellen: "Das tut weh, ist schon schmerzhaft."

  • 19:25 Uhr
    Ruth Eisenreich

    Seit die Hochrechnungen die SPÖ auf Platz zwei sehen, ist die Stimmung im SPÖ-Zelt eigenartig gemischt. Oft scheinen Bild- und Tonspur nicht zusammenpassen: Bei neuen Hochrechnungen und während der Reden jubeln und kreischen die SPÖ-Anhänger, stampfen mit den Füßen – aber schaut man in die Gesichter, sieht man viele hängende Mundwinkel. 


    Die Stimmung spiegelt also das ambivalente SPÖ-Wahlergebnis wieder: Prozentuell kaum Veränderung zur letzten Wahl, ein weit besseres Ergebnis als die Umfragen vorhergesagt hatten, aber der erste Platz und damit vermutlich auch das Bundeskanzleramt sind verloren. 

    Um 18.30 Uhr ist unter großem Jubel der Wiener Bürgermeister Michael Häupl aufgetreten, einer der wichtigsten Männer in der SPÖ. Er ist nach dieser Wahl gestärkt, weil die SPÖ in Wien gut abgeschnitten hat. Der Bundespräsident werde nun wohl Sebastian Kurz mit der Regierungsbildung beauftragen, sagte Häupl: "Jemand, der meint, wer sich die Miete nicht leisten kann, soll sich eine Eigentumswohnung kaufen – wie ich mit so jemandem eine Regierung bilden soll, weiß ich nicht. Aber er ist ja ein junger Mensch, kann sein, dass er noch was lernt." Noch eindeutiger war seine Absage an eine Koalition mit der FPÖ: "Mit dieser Partei", donnerte Häupl, "mach ma an Dreck". Häupl war immer schon ein dezidierter Gegner einer Zusammenarbeit mit der FPÖ. 

    Nach wenigen Minuten musste Häupl seine Rede beenden: Bundeskanzler Christian Kern drängte zur Bühne, seine Anhänger klatschten rhythmisch, jubelten, kreischten. "Ich habe einen Plan", sagte Kern als Erstes, "und ich frage mich, wie in fünf Jahren dieses Zelt aussehen wird, wenn wir die absolute Mehrheit gewonnen haben".


    Das Wahlergebnis sei nicht das Erwünschte gewesen, man habe sich aber "ordentlich geschlagen", sagte Kern. "Es tut mir leid, wenn wir Fehler gemacht haben", sagte er. Es habe aber in den letzten Monaten eine "permanente brutale rechte politische Themenlage" gegeben, wofür Kern auch die Medien verantwortlich machte. Auch bei Kern klang durch, dass er die SPÖ in den nächsten Jahren in der Opposition sieht, eine klare Oppositionsansage war seine Rede aber nicht. 

    "Wir werden die Gespräche jetzt mit Ernsthaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein führen", sagte Kern. Die Aufgabe der SPÖ in den nächsten fünf Jahren sei es, "dafür zu sorgen, dass in Österreich wieder die richtigen politischen Themen und Inhalte diskutiert werden". Seine Fans bejubelten Kern, als hätte er die Wahl gewonnen.

  • 19:05 Uhr
    Sybille Klormann

    86,2 Prozent der Stimmen sind jetzt ausgezählt. Sora/ORF haben eine weitere Hochrechnung inklusive Wahlkarten veröffentlicht:


    Die ÖVP führt mit 31,6 Prozent. Die SPÖ liegt nun deutlicher auf Rang zwei mit 26,9 Prozent, gefolgt von der FPÖ mit 26 Prozent. 

    Die Grünen verpassen den Einzug ins Parlament mit 3,9 Prozent, die Liste Pilz schafft den Sprung über die Vierprozenthürde mit 4,3 Prozent. Die liberale Partei NEOS liegt bei 5,1 Prozent.

  • 18:55 Uhr
    Ferdinand Otto


    Wahlsieger Sebastian Kurz bedankt sich unter minutenlangem Applaus bei seinen Anhängern. "Wir haben das Unmögliche möglich gemacht", sagt der 31-Jährige. Es sei aber nicht der Tag des Triumphs über andere. Er nehme die Aufgaben in Demut an. 

    Jetzt geht es für Kurz auf eine Tour durch die diversen TV-Sender. Am Abend wird er hier noch mal eine ausführliche Siegesrede halten.

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