Die Fregatte, mit der Kommandant Christian Schultze einen Beitrag zur EU-Flüchtlingspolitik leistet, ist gemacht für den Seekrieg. Der hochgewachsene Kapitän mit Seemannsbart tut, was er immer tut. "Ich fahre mit einem Kriegsschiff zur See und mache Lagebilder", sagt Schultze. Doch bei diesem Einsatz im Mittelmeer hat er den Eindruck, die Menschen in Deutschland haben etwas missverstanden.

Meistens schreiben Journalisten über die Operation Sophia, wenn ein deutsches Schiff Migranten aus in manövrierunfähigen Schlauchbooten geholt hat. "Wenn jemand von Sophia spricht, dann denkt man an Flüchtlingsrettung", sagt Schultze. Das ist aber nicht der Auftrag der deutschen Fregatte Mecklenburg-Vorpommern. "Wir sind hier, um Schleuser zu bekämpfen und um das Waffenembargo durchzusetzen", sagt Schultze. Zur Rettung von in Not geratenen Personen verpflichtet das Seerecht die Marinesoldaten überall.

Die Bundeswehr beteiligt sich seit mehr als zwei Jahren am EU-Marineeinsatz Eunavfor Med, der sogenannten Operation Sophia. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben die Soldaten ihrer Länder im Juni 2015 in den Einsatz geschickt, um gegen Schleuser im Mittelmeer vorzugehen. Wenn die Netzwerke jener Menschenschmuggler zerschlagen werden, die Flüchtlinge in seeuntaugliche Boote Richtung Europa setzen, dann sterben auch weniger Menschen, so hoffte die EU. Später kamen noch zwei Aufgaben hinzu: Die Mission bildet mittlerweile auch die libysche Küstenwache aus und überwacht ein UN-Waffenembargo vor der Küste des zerfallenen Staats.

Die Bundeswehr-Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" während ihres Versorgungsaufenthalts im Hafen von Catania auf Sizilien © Veronika Völlinger für ZEIT ONLINE

Das Missverständnis der Operation nahm seinen Lauf am 24. August 2015 um Viertel nach vier in der Nacht: An Bord der deutschen Fregatte Schleswig-Holstein bringt eine Frau aus Somalia ein Baby zur Welt und gibt dem kleinen Mädchen den Namen Sophia, nach der preußischen Prinzessin Sophia von Schleswig-Holstein, der Namenspatin des Schiffs. Es ist eine Geschichte, die Hoffnung macht, zwischen all den furchtbaren Nachrichten aus dem Mittelmeer. Kurz darauf nennt die EU die Mission Eunavfor Med in Operation Sophia um.

Der Kommandant Christian Schultze an Bord der Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" © Bundeswehr/Stefanie Jähnig

Seitdem hat die EU das Problem, dass ihre Militäroperation im Mittelmeer für ein gerettetes Flüchtlingsmädchen steht. Natürlich retten die Einheiten hier Flüchtlinge, etwa 40.000 in zwei Jahren. Etwa 20.000 Menschen haben allein die Schiffe der Bundeswehr wie die Fregatte von Christian Schultze aus Seenot gerettet. Mehr als 9.500 Menschen starben im gleichen Zeitraum. Die EU will mit der Mission zwar Menschenleben retten, aber ohne dafür direkt einen Auftrag zu erteilen: Die Seenotrettung ist nicht Teil des EU-Mandats, sie ergibt sich allein aus dem internationalen Seerecht. Die EU hat hier keinen Rettungseinsatz, sondern eine militärische Operation gegen kriminelle Netzwerke gestartet. Das betont auch ein Sprecher im Hauptquartier der Mission in Rom.

Im Feldanzug mit Tropentarn sitzt Schultze in seiner Kommandantenkammer an Bord der Mecklenburg-Vorpommern. Von der Wand blickt von einem gerahmten Foto die Verteidigungsministerin, auf der Anrichte steht eine Kapsel-Kaffeemaschine. Seit Mitte August war die 140 Meter lange, fehgraue Fregatte wieder im Einsatz, Anfang September ist sie nach fast drei Wochen auf hoher See vor der libyschen Küste im Hafen von Catania auf Sizilien eingelaufen.